Franz Dobler, Schriftsteller, Countrymusik, Johnny Cash Franz Dobler, Schriftsteller, Countrymusik, Johnny Cash
 
 

BÜCHER

Ich fühlte mich stark wie die Braut im Rosa Luxemburg T-Shirt
aufräumen
Sterne und Straßen
The Beast In Me

Tollwut

Down in Louisiana

Sprung aus den Wolken
Get Country & Rhythm
Westerngedichte
Bierherz
Nachmittag eines Reporters
DISCOGRAPHIE
Cut City Blues
Der Tag an dem ich allen Glück wünschte
A boy named sue Johnny Cash Revisited
Wo ist zuhause Mama?
Nicht zuhause Mama?
Zur Hölle Mama
On The Road Again Mama
FILM
Rohstoff - Jörg Fauser
The Road To Nod
INTERVIEW
Dobler spricht über Johnny Cash Biographie
LIVE-HÖRSPIEL
The DJ Hörspiel Ensemble

/// Texte

DIE BURG IST DAS WOHNMOBIL
"Ghost Riders": Die Abenteuer des amerikanischen Nomaden Richard Grant

Viele von uns, sicher, beneiden sie um ihre Lebensform. Wir träumen davon. Den ganzen Kram in der Wohnung verkaufen! Das verdammte Haus! Das Parteibuch, den Job, alle Scheißversicherungen hinschmeißen. Den ?en Freunden bye-bye sagen und dann aufs Pferd und immer dorthin, wohin dein Herz dich f?rt.

Und die Nomaden, träumen sie manchmal davon, so zu leben wie wir? Hätten sie lieber eine Klobrille, «ne bombensichere K?henzeile und 5000 CDs? Das m?hten wir uns nicht vorstellen.

Mit den sch?en, im 19. Jh. hängenden Bildern des Sesshaften vom Nomaden haben die Abenteuerberichte des Engländers Richard Grant ?er seine "Reisen mit amerikanischen Nomaden" wenig zu tun. Die Gegenwart hat neue Nomaden geschaffen. Die einen haben ein sicheres Arbeitsleben hinter sich und tuckern nun mit ihren Wohnmobilen immer dorthin, wo«s warm ist; sie sind alt, wollen maximale Freiheit f? den Lebensabend und leeren selten das Postfach in Weißgottwo. Die anderen sind Spinner, Verlierer, Systemgegner, Drogenfreaks, die per Schrottkarre, Zug oder Autostopp durch den Kontinent streifen.

Was verbindet diese gegensätzlichen Herden? Die quasi drogens?htige Gier nach permanentem Unterwegssein und das Bed?fnis, sich der staatlichen Kontrolle zu entziehen. Die nur greift, wenn sie sich in einem "legalistischen Balanceakt" - friedliche Treffen ohne illegale Aktivitäten sind in den USA erlaubt - zusammenrotten. Eine Gesellschaft f? sich. Niemand weiß, wieviele Ghost Riders es sind, die sich ohne festen Wohnsitz der Neugier diverser Beh?den entziehen. F? die letzten Rodeo-Profis geh?t die ständige Wanderung zum Beruf und bei den Freight Train Riders of America, "der sogenannten 'Hobo-Mafia', die unter dem Verdacht steht, Dutzende von Morden begangen zu haben und G?erz?e als Transportmittel f? Drogen zu benutzen", bringt auch die intensive Recherche kein Licht ins Dunkle.

"Die meisten Schlägereien ereignen sich" in der Underdog-Zone bei einem 20000 Menschen großen Treffen der Rainbow Family "zwischen Stammgästen und Besuchern, und gew?nlich ist der Anlaß ein Mißverständnis aus Trunkenheit ... Schlägerei Nr. 29 wird von einem Burschen namens Joe angezettelt, ein Teilzeittramp Mitte Dreißig mit blonder Zottelmähne ... Er hat am Stadtrand von Tucson in einer Kommune von Motorradfahrern und Tramps gewohnt und will wissen, warum er mich dort nie gesehen hat. Pl?zlich steht er ganz dicht vor mir, sein Atem stinkt, und er br?lt, daß ich ein Zivilbulle sei."

Grant arbeitet - abgesehen von den ausf?rlichen historischen Forschungen - wie ein Kriegsreporter. Er ist kein Besucher, er hängt mit drin und weiß nicht, wann«s vorbei sein wird. Seit 15 Jahren ist er selbst s?htig nach dem permanenten On The Road-Leben und wurde nur Journalist, um das finanzieren zu k?nen. Ein großartiger Stilist und sorgfältiger, subtiler, mutiger Journalist. Bei Bruce Chatwin sehe ich immer auch ein fr?lich geschwungenes Schmetterlingsnetz - und bei Richard Grant im Hintergrund immer auch John Rambo. Teil I wohlgemerkt. So die ersten 20 Minuten.

Der charmante rote Faden aber ist die Selbstbeobachtung. Woher, fragt sich Grant immer wieder, kommt die Unfähigkeit, sesshaft zu sein? Warum sind keine h?schen, j?geren, nicht-abgedrehten Frauen unterwegs? Wie kann ich mit der Frau, die ich liebe, zusammen leben? Warum glauben diese verdammten Sesshaften, dass sie normal leben? Wie ist es, wenn ich alt bin?

Am Ende meines Lieblingsbuchs des Jahres bekommt der Mann amtliche Hilfe. "Die Furcht vor einer m?lichen Abschiebung ?erwand tiefere ?gste und Vorurteile und f?rte zu einer Hochzeit, die schon viel fr?er hätte stattfinden sollen." Falls diese Frau ihn mehr als ?lich von der Arbeit abhält, sind wir dagegen.

Richard Grant: Ghost Riders. Aus dem Amerikanischen von Norbert Hofmann. 336 S. Edition Tiamat, Berlin 2003.

zurück

 

 
CK DESIGN | Links | Impressum | © Vervielfältigung aller Texte nur mit Genehmigung des Autors