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/// Bücher
Realitätsorgien hat Maxim Biller die literarischen Arbeiten von Franz Dobler genannt, als Gegensatz zu einer Literatur, die sich lieber mit dem Schönen umgibt, als sich mit dem Kram vor der Tür zu beschäftigen. Presse Verlierer im Markenhemd - (Der Spiegel) Als rauhkehliger Vorleser tingelt er durch die Republik zur Not begnügt er sich mit zwei Flaschen Southern Comfort als Honorar. Statt in Buchhandlungen tritt Dobler lieber in schummrigen Bars auf, in die sich die Wichtigtuer des Literaturbetriebs nur selten verirren; und doch ist nun mit "Nachmittag eines Reporters" wieder ein "Short Stories Album" herausgekommen, das sich locker und mit Lust an einem Nachmittag weglesen läßt. "Wie wird man ein Star?" fragt eine Frau in einer dieser Geschichten, und dann heißt es weiter: "Ich rammte das Messer in den Tisch und sagte kühl: ,Am schnellsten wird man ein Star, wenn man einen Star tötet.'" Doblers Helden sind jedoch keine skrupellosen Gangster und erst recht keine strahlenden Gewinner: vielmehr schöne Verlierer, die mit Stil und Grandezza auftreten, nie und nimmer faule Kompromisse machen und sich nicht dumm anquatschen lassen. Nur an schlechten Tagen sind sie manchmal jähzornig. In der Eröffnungsgeschichte rümpfen zwei Beamte bei einer Grenzkontrolle die Nase über das teure New Yorker Markenhemd des Ich-Erzählers und daraus entsteht eine so wunderbar amüsante Begebenheit, daß sie an anderer Stelle des Buches gleich noch mal erzählt wird. Egal, im "Nachmittag eines Reporters" erweist sich Franz Dobler als Meister der genau dosierten Ironie und eines fröhlichen Sarkasmus: In den Geschichten spiegeln sich Deutschland und seine Bewohner in so schönen erdigen Farben, als betrachte der Erzähler sie durch ein gut gefülltes Whiskeyglas. © Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Spiegel Verlages.
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