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/// Bücher
Western, Bestern, Spät-Western Um das Western-Motiv der Bandenbildung umzusetzen, bekamen die Gedichte Schützenhilfe durch die Nachworte meiner Kollegen Thomas Palzer und Andreas Niedermann sowie die Fotos von Charlie Sono. Niedermann traf die Sache genauer als es mir bewusst gewesen war: "Die Westerngedichte lesen sich so, als würde man im Zug sitzen, zum Fenster rausschauen und die Landschaft vorbeiziehen sehen. Nicht eine wirkliche, handfeste Landschaft, sondern eher eine innere, geträumte". Mein Drang Gedichte zu schreiben war zu der Zeit schon lange so gut wie erloschen, und überhaupt, Begriffe wie Poesie oder Lyrik oder Gedichte auf einem Buchumschlag zauberten mir kein Leuchten ins Auge, meine lyrische Sensibilität war zweifellos unterbelichtet. Was meine literarischen Nerven plötzlich entzündete, war allein die Idee, Gedichte in ein scheinbar feindliches Genre zu pressen, eine Art Überfall: keine Gedichte, Westerngedichte! Während der Arbeit an meinem Roman 'Tollwut', der im selben Jahr bei Edition Nautilus erschien, hatte ich den Gedichtband schneller im Kopf als jemand "Calamity Jane" flüstern kann. Es geht im Roman um eine Land-Enteignungs- und Rachegeschichte, die in einem toten Winkel zwischen München und Dachau spielt, und die Handlung wird angefeuert von Elementen aus Western- und Action-Filmen (Kollege Lorenz Schröter nannte es später einen Bestern, einen bayrischen Western also). Die Helden des Romans scheinen, genau wie ich, einen speziellen Draht zur Verbindung Bayern und Western zu haben, und an einem bestimmten Punkt fragte ich mich, ja, warum eigentlich? Als Antwort kamen diese Gedichte wie eine lyrische Formation geflogen. Bayrische Bilder, mit denen ich aufgewachsen war, verbanden sich mit meinen persönlichen, historische Fakten mit denen, die sich aus Filmen, besonders denen von Sam Peckinpah, in meine Erinnerung eintätowiert hatten. Alles schien von derselben Atmosphäre geprägt zu sein. Der Wilderer aus einem Kraudn Sepp-Song war ein Outlaw wie Jesse James. Der verzweifelt auf Action wartende Kleinstadtreporter, der ich selbst gewesen war, beschreibt die Andenkenjäger, die nach dem Tod von Billy The Kid die Szene betreten. Das Schema der üblichen 50er-Jahre-Western interessierte
mich nicht: für die Law & Order-Abteilung benutzte ich Fundstücke,
ich klaute und zerlegte Zeilen aus Songs - innerhalb des Genres fühlte
ich mich frei: es sind, um genau zu sein, keine Western-, sondern Spät-Western-Gedichte
(und deshalb machte ich mir keine Sorgen, als ich später erfuhr,
dass es in den USA tatsächlich dieses Poesie-Genre gibt, das eben
weniger dem Spät-, sondern dem klassischen, romantischen Western
verpflichtet ist). Weil vieles zwischen Gedicht und Song hängt. Weil ich sie heute so und morgen so klingen lassen kann. Weil sie mich wie einen Spinner dastehen lassen können. Weil sie andere so verwirren können. Weil sie, wenn dann doch mal ein Martin Walser-Publikum im Weg steht, dieses erschlagen können (#11 zehn Minuten lang in gebrüllter Form war für die CD allerdings keine Überlegung). Es war also nahe liegend, für die CD einen Soundtrack hinzu zu fügen. Abgesehen von sehr alter Freundschaft und diversen gemeinsamen Arbeiten (z. B. der Track 'Im Kino' für eine Rainer Werner Faßbinder Tribute-CD 1996), war Hubl Greiner auch deshalb der perfekte Partner, weil die Bilder, die er zu einem Text wie 'Unten im Süden' im Kopf hat, so einen scharfen Hintergrund haben. Der Provinzreporter, der den Unfall mit einer Kuh und drei Autos auf die Titelseite brachte, war 1978 der erste, der einen Artikel über seine erste Band schrieb. Franz Dobler, 31. Juli 2002 Bestellungen
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