Mein Freund, der Schriftsteller Ludwig Lugmeier ist letzten Montag, am 9.3. im Alter von 76 Jahren in Berlin verstorben. Mir fehlen fast alle Worte, sie stehen in seinen Büchern Wo der Hund begraben ist / Der Mann der aus dem Fenster sprang / Das Leben des Käpt´n Bilbo / So der Herr mit Zylinder, und in den kleinen Gedichtbänden Flickstellen und i (bayrisch für Ich). Seine literarische Laufbahn war unvermeidlich an seine kriminelle gekettet, er nahm´s gelassen, hat nie damit angegeben. Er war froh, als er 77 in den Bau musste, denn damit habe er endlich in Ruhe schreiben können, wie er es schon als Jugendlicher vorgehabt hätte. In Bayern wollte er dann nie wieder begraben sein. Eines nachts kletterten wir über die Mauer in einen Friedhof, um ein Grab aufzusuchen, und dann konnten wir nicht glauben, dass wir es zum Teufel nicht schafften, vor Tagesanbruch wieder rauszukommen.
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16.3. Der Nachruf vom Verbrecher Verlag, in dem Ludwig Lugmeier 2017 den Faktenroman „Die Leben des Käpt’n Bilbo“ veröffentlichte:
„Leider müssen wir mitteilen, dass der große Schriftsteller Ludwig Lugmeier in der vergangenen Woche gestorben ist.
Ludwig Lugmeier, geboren 1949 in Kochel am See, lebte in Berlin als freier Autor. Schon als Junge war er, unter anderem angeregt durch die Abenteuergeschichten von Jack Bilbo, an Außenseitern und an der Revolte interessiert und schlug sich mit Gelegenheitsjobs etwa als Maurer, Schiffer oder Bärendompteur im Zirkus durch.
Fasziniert vom Leben abseits üblicher Normen wurde er kriminell und erstmals im Alter von siebzehn Jahren in Jugendhaft genommen. Nach der Entlassung versuchte er die Welt zu bereisen, kam aber immer wieder nach Deutschland zurück, wo er schließlich Geldtransporter überfiel. 1974 wurde er in Mexiko verhaftet, nach Deutschland ausgeliefert – und weltberühmt. Im Februar 1976 gelang es ihm während seiner Gerichtsverhandlung durch ein offenes Fenster des Gerichts zu springen und zu fliehen. Er wurde erst Monate später in Reykjavík verhaftet.
In seiner Haftzeit von 1977 bis 1989 begann er ernsthaft zu schreiben, der Erzählband „Schattenränder“ erschien 1987, der Gedichtband „Flickstellen“ 1988 und der vielgelobte Roman „Wo der Hund begraben ist“ 1993. 1998 folgt mit „i“ ein weiterer Gedichtband, 2005 der autobiografische Roman „Der Mann, der aus dem Fenster sprang“, 2017 der Faktenroman „Die Leben des Käpt’n Bilbo“, für den er viele Jahre recherchierte, 2022 schließlich der Erzählungsband „So der Herr mit Zylinder“. Daneben publizierte er unzählige weitere Gedichte und Erzählungen in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften, außerdem veröffentlichte er zahlreiche Rundfunk-Features, Reportagen und Essays.
Lugmeier war dank seiner wunderbar tiefen Stimme auch als Märchenerzähler tätig, seine Liebe zu Stummfilmen trieb ihn dazu, regelmäßig Stummfilmabende zu veranstalten, bei denen er äußert kenntnisreich in die Filmgeschichte einführte.
Seine Kunst inspirierte viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller, so war etwa das Hauptwerk Christian Geisslers, „kamallatta“, nach einem Gedicht Lugmeiers benannt.
Ludwig Lugmeier war ein ungewöhnlich herzlicher Mensch, es war eine Freude mit ihm zu arbeiten. Er starb am 9. März in Berlin.
Wir wünschen seinen Angehörigen viel Kraft!“