Literatur

EINEN BLICK DURCHS SCHLÜSSELLOCH

bietet endlich mal der most psychotronic deutsche Kriminalverlag PULP MASTER. Verleger Frank Nowatzki packt seine Erfolgsrezepte in einem zweifellos viel zu kurzen 8´30-Video aus:

https://www.pulpmaster.de/wp/der-verlag/

Habe mir fest vorgenommen, eines Tages alle PM-Bücher gelesen zu haben. Keine leichte Aufgabe. Wenn man sich zuerst immer an die neuen dranhängt. Demnächst mehr zu

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R.I.P. LUDWIG FELS

Einer der großen deutschen Autoren verstarb gestern in Wien mit 74 Jahren. Ich bin bis heute sehr stolz darauf, als mir Ludwig Fels nach meinem Johnny-Cash-Buch einen Brief schrieb. Man! A big JC-Fan, und mindestens so amerikanifiziert wie ich. Getroffen haben wir uns nur einmal in Wien (wo er schon lange lebte … es hat ihn nicht im mindesten gestört, dass er im deutschen Literaturbetrieb nicht mehr groß wahrgenommen wurde, so what), korrespondiert immer wieder. Auch als er das Hörspiel „Hello, I´m Glen Sherley“ schrieb, über den glücklosen Sänger und Kriminellen, von dem Cash in San Quentin den Song spielte. 1981 hatte ich erstmals von Ludwig Fels was mitbekommen, als im Magazin S!A!U! die ersten Kapitel von „Ein Unding der Liebe“ abgedruckt waren. Seine späten Romane haben mich alle mitgenommen. In einem meiner neuen Gedichte habe ich ihn gegrüßt …

„… während draußen ein tiefschwarzes und schneenasses Schwarz auf die Erde drückt und der Zug jetzt in Treuchtlingen hält – und ich denke Treuchtlingen, Treuchtlingen, Treuchtlingen? Was sagt mir diese kleine Drecksstadt, die in der Nacht nicht mehr als ein kleiner Bahnhof ist, an dem abgeführt wird, wer ohne Wohnsitz aussteigt – nein, zur Hölle! Das ist also die Stadt Treuchtlingen, die einen der besten Dichter deutscher Sprache ihren Sohn nennen kann, Ludwig Fels! Aber ich weiß nicht, ob ihn dieses Treuchtlingen irgendwann gut behandelt oder ihn allein schon mit diesem Namen verjagt hat – schon lange lebt er nicht mehr dort – ihr verdammten kleinen Städte, sie verjagen dich oder halten dich fest mir ihren ekelhaft feuchten Schlingen, und dieser Zug fährt nicht weiter …“



BIRTHDAY PARTY

für den am 9. Januar 1890 in Berlin geborenen Kurt Tucholsky. Vor und während der Getränkeausgabe abzusingen:

WER WAREN UNSERE AHNEN?

KASCHUBISCHE GERMANEN.

DIE ZEUGTEN ZUR ERFRISCHUNG

UNS PROMENADENMISCHUNG.

Zum Vortrag kommen die Texte und Noten aus dem mitzubringenden „Kurt Tucholsky Chanson Buch“ (Hamburg, 1983).

„Der NameKurt-Tucholsky-Grundschule Berlin – Musikalische Grundschuleunserer Schule erinnert uns an den Schriftsteller Kurt Tucholsky, der 1890 im Moabiter Kiez geboren wurde und sich kämpferisch für Menschenrechte und eine bessere Zukunft in Deutschland eingesetzt hat. Zum Thema „Schule in der Gesellschaft“ hat er sich kaum geäußert, jedoch war er der Meinung, „dass Wandlung nicht oben, sondern unten, nicht außen, sondern innen zu beginnen hat.““



KULTURSTAAT BAYERN

Mein Freund und Performing Partner Friedrich Ani wurde gerade mit dem „Kulturehrenbrief des Landkreises“ Bad Tölz ausgezeichnet und sagte im Interview mit dem Merkur:

„Erfahren die Kulturschaffenden in Bayern, gerade auch jetzt in der Corona-Krise, Ihrer Ansicht nach die angemessene Wertschätzung?

Nein. Was gerade passiert, vor allem in Bayern, ist eine Demütigung der Kulturschaffenden, eine Missachtung der Gewerke sämtlicher im künstlerischen Bereich tätigen Menschen, eine Abkehr vom Kulturstaat Bayern, purer Zynismus vonseiten der Regierung. Es ist die staatliche Abschaffung der Empathie all jenen gegenüber, ohne deren unermüdliches Wirken wir seelisch und geistig verkümmern würden. Die Pandemie, so scheint es, bringt das Gute in der Gesellschaft ebenso krass zum Vorschein wie das Schlechte und Dumme.“

https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/kochel-am-see-ort28931/ein-chronist-am-wegesrand-90151166.html?fbclid=IwAR0fyt6NtfcO22CiuMqimnYpboVxXTn42ybaKHj06JSjJwjbioosvV7z0FI



BUCH PROPAGANDA (2)

Es spricht nicht gegen den Titel des neuen Romans von Jan Off, wenn ich behaupte, dass sich das Leben von jedem menschenähnlichen Wesen, das einen Roman von Jan Off liest, ändert und vielleicht sogar massiv ändert:

Denn jeder gute Roman – haut dich aus der Bahn.

Dem Magazin Stern kann ich nur uneingeschränkt zustimmen: „Das Urgestein deutscher Punk- und Anarcholiteratur, Jan Off, hat mit „Nichts wird sich niemals nirgendwo ändern“ seinen neuen Roman vorgelegt. Worum geht’s? Unzufrieden mit der politischen Lage und ihren persönlichen Situationen beschließen vier junge Hamburger, sich nicht länger einer gefühlten Ohnmacht hinzugeben. Sie planen einen Coup (…) Trotz aller politischer Diskussion, durch die alle vier fortwährend das Für und Wider ihres Plans abklopfen, kommt in Jan Offs Romanen der Humor nie zu kurz.“

Jan Off persönlich hat mir eines schönen Abends versichert, dass er sich vor allem als „Society-Philosoph“ versteht. Sein neuer Roman bestätigt das besser denn je. Und ganz generell sind alle seine Werke im Ventil Verlag die beste Impfung gegen Dummheit, und in diesem Fall würde ich sogar über Zwangsimpfung diskutieren.

Nichts wird sich niemals nirgendwo ändernUnzucht

 



TRÄUM WEITER, DU OASCH!

Heute in der Tageszeitung junge Welt mein Artikel über den neuen Roman von Andreas Niedermann, „Blumberg 2“, erschienen bei Edition Baes. So geht´s los:

„Kein Wunder, dass Frau Isa Blumberg irgendwann so aggressiv wurde, dass ihr einer dieser bescheuerten Drecksrichterverbrecher eine Antiaggressionstherapie verpassen zu müssen glaubte: Ihr Mann war Kriegsberichterstatter und wurde getötet, aus ihrem Sohn wurde ein Pfarrer, sie selbst fliegt gerne schnell aus dem Job, weil sie nicht kuschen kann, auch wenn sie die Mäuse dringend bräuchte, und sie hat sich eines schönen Tages entschlossen, lieber lesbisch zu sein, obwohl ihr viele Frauen nicht weniger auf den Keks gehen als die meisten Männer.

Wenn man der Wiener Frau für ­alle Fälle »frohe Weihnachten« wünscht, antwortet sie garantiert so was wie »träum weiter, du Oasch«. Und das hätte dann nichts mit dem kommenden Virenchristkind zu tun.“

https://www.jungewelt.de/artikel/392389.literatur-tr%C3%A4um-weiter-du-oasch.html



BUCH PROPAGANDA (1)

Mein alter Freund Andreas Niedermann hat auf seinen Stapel Werke, an dem er seit 1986 baut, jetzt den nächsten Kriminalroman draufgelegt: Blumberg 2 – Die Wachswalze (Edition Baes, 300 S., 20.- €). Falls jemand wie ich die Nase voll hat von Superstars, Schwindel, Überheblichkeit, schwafelnder Kunstfertigkeit und pseudo-mystischen Schweinereien, dann ist dieser Roman ein empfehlenswertes Gegengift.

Dieses vollkommen klare Urteil habe ich mir von einem der berühmtesten Musikkritiker aller Zeiten besorgt*, weil ich in dem Moment, als ich es las, an den neuen Niedermann-Roman denken musste und erkannte: Genau das ist es! Und was auch bei tollen Fortsetzungen selten vorkommt: Ich klappte Blumberg 2 zu und fing sofort an, den ersten Teil Blumberg (Songdog Verlag) wieder zu lesen; nicht, weil ich ihn nicht kapiert hätte, sondern weil ich Lust hatte, diesen Style weiterzulesen und dabei tausend Details und Formulierungen wieder zu entdecken. Bei guten Kriminalromanen ist es mir völlig egal, ob ich den Plot kenne, denn der wahre Plot ist immer nur, dass sie gut geschrieben sind.

Außerdem kann ich von den interessantesten Frauen, die es seit Jahren in einen Männerroman geschafft haben, nicht genug kriegen, ich geb´s zu. Das hat nichts mit irren Sexszenen zu tun – wie sich Niedermann auch nicht für diese Blutorgien interessiert, die bekanntlich in der Regel von so unterbelichteten wie unterbeschäftigten Hausmännern und Hausfrauen ausgedacht und von ebensolchen LektorInnen durchgewunken werden.

Man muss nicht den ersten Roman um die 50+Wienerin Isa Blumberg, die man für Security- und spezielle Aufträge kaufen kann, gelesen haben, um in Blumberg 2 rein- und mitzukommen. Zum Glück ist sie auch in der Fortsetzung a) die türkische Taxifahrerin Düzen nicht losgeworden und versucht b) weiterhin, einer Antiaggressions-Therapie zu entkommen.

Und worum´s überhaupt geht? Um „eine hundert Jahre zurückliegende Geschichte von Obsession, Verrat und Mord“ in den Schweizer Bergen, in denen für Blumberg mehr Schnee liegt als vor dem Tor zur Hölle. Und ich werde den Teufel tun und hier erklären, was eine Wachswalze ist … Knallharte Realität: Für Nichtschweizer gibt´s in der mit Schnee abgefüllten Schweiz nicht nur finanzielle Probleme (die man natürlich auch hat, wenn man so viele Flocken angehäuft hat, um dort nach besseren Lösungen zu suchen).

* Zitiert mit zwei minimalen notwendigen Änderungen: John Peel über Kevin Coyne, vgl. The crazy World of Kevin Coyne, S. 42 (Starfruit Publications, 2020)

Selbstportrait Niedermann: https://www.niedermann.at/



TOMORROW AT HIGH NOON DON’T MISS THE SHOW

Kann gut sein, dass es die schwierigste Produktion für meinen Freund M.A.Littler von Slowboat Films und seinen Co-Regisseur D.H.Ottn alias Deadhorse war. Aber mir war klar, dass er sich nicht unterkriegen lässt. Weil es dafür schon viel zu spät ist.

KIEV STINGL – NO ERKLAERUNGEN

On-Line Weltpremiere diesen Sonntag Nov 29 um 12:00

https://www.youtube.com/watch?v=0QQufcUyeWI

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=0QQufcUyeWI&fbclid=IwAR25Hg_zG3ZXGlG8J6kgL_6SVkmdnADXWoCmzB6EAJrff-4muO_wp5XboBw
KIEV STINGL – NO ERKLAERUNGEN Deutschland 2021.
R: M.A. Littler, D.H. Ottn Dokumentarfilm. 62 Min
„In den späten 70er Jahren galt Kiev Stingl als Deutschlands Antwort auf Lou Reed. Vier Kultalben, vier Gedichtbände und einige Skandale später verschwand er komplett von der Bildfläche. Was passierte mit Kiev Stingl? Mit seinem radikalen Sound zählte Stingl zu den deutschen Wegbereitern von Punk und New Wave, die gerade aus England und den USA herüberschwappten. Seine zweite Platte „Hart wie Mozart“ mit der Band Sterea Lisa wurde 1979 von der Kritik entgeistert bis ablehnend aufgenommen, das provokante Cover führte zum Verbot. In seinen Texten und Gedichten gab sich Stingl konsequent seinen Obsessionen hin, die er in literarisch immer extremeren Gedicht- und Textbänden reflektierte. Seine Verachtung galt weniger „dem System“, als dem herrschenden Mittelmaß, das er mit Provokation und arroganter Verweigerung abstrafte. Inzwischen eher als eine Art Klaus Kinski des musikalischen Undergrounds gefürchtet, erschien sein letztes Album 1989 mit dem Titel „Grausam das Gold und jubelnd die Pest“. In den 90er Jahren folgten zwei weitere Gedichtbände, bevor Stingl aus der Öffentlichkeit verschwand. Der Musiker Dad Horse Ottn und der Filmemacher M.A. Littler machen sich auf Spurensuche.“


EXTREMAKTUELL

ist diese Neuerscheinung bei Edition Tiamat – leider, kann man sagen – aber auch keine Überraschung, muss man sich klarmachen:

Critica Diabolis 280. Aus dem Französischen von Alexander Carstiuc, Mark Feldon, Christoph Hesse. 240 Seiten, 24.- Euro

Verlagsmitteilung: „Seit mehr als dreißig Jahren macht der Begriff der »Islamophobie« jedes kritische Wort gegen den Islam zunichte. Er verbietet den Menschen im Westen den Mund und disqualifiziert die reformerischen Muslime. Eine große Religion wie der Islam ist nicht auf ein Volk reduzierbar, denn seine Berufung ist universell. Ihm die kritische Prüfung zu ersparen, der das Christentum und das Judentum sich seit Jahrhunderten unterziehen, hieße, ihn in seinen gegenwärtigen Schwierigkeiten einzuschließen. Und seine Gläubigen für immer zu Opfern zu verurteilen, die jedweder Verantwortung für die in seinem Namen verübten Verbrechen enthoben bleiben.
Diesen Betrug offenzulegen, die Wiederkehr des Fanatismus neu zu bewerten und die außerordentliche Freiheit zu preisen, die Frankreich seinen Bürgern gewährt, ob sie an Gott glauben oder nicht – dies ist das Ziel des vorliegenden Werks.
»Was sollte man einem Menschen antworten, der einem sagt, er gehorche lieber Gott als den Menschen, und der sich infolgedessen sicher ist, den Himmel zu verdienen, wenn er einen erdrosselt.« Voltaire

»Es gibt genug wirkliche Rassismen, man muß nicht noch eingebildete erfinden.« Pascal Bruckner



STAY TUNED WITH BUKOWSKI

DONNERSTAG VON 19:00 UTC+02 BIS 20:30 UTC+02

Schreiben als Selbstbehauptung: 100 Jahre Bukowski

Online-Veranstaltung / Donnerstag von 19:00 UTC+02 bis 20:30 UTC+02
Öffentlich · Gastgeber: junge Welt
Online-Veranstaltung:  https://www.jungewelt.de/lesewoche/
Am 16. August 1920 wurde Charles Bukowski geboren, die Mutter aller Väter der Undergroundliteratur. Wie kaum einer verkörperte er das »Schreiben als Selbstbehauptungsprogramm«, eine brutale wie zärtliche Gegenwehr gegen die Zumutungen der Plebejerexistenz.

Der Schriftsteller und Journalist Frank Schäfer, Sarah Käsmayr von Bukowskis deutschem Hausverlag Maro und jW-Literaturredakteur Peter Merg lesen Gedichte des Great American Underdog und aus aktuellen Büchern über ihn, plaudern über sein Leben und Schaffen und gehen der Frage nach, weshalb Bukowski bis heute fasziniert.

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