Literatur

DR. WALTER SERNER

wurde am 15. Januar 1889 in Karlsbad geboren und ist nicht nur einer der größten deutschsprachigen Schriftsteller aller Zeiten, sondern auch einer der intelligentesten.  Seine erste Sammlung mit Kriminalstories erschien 1921. Die Nazis setzten seine Bücher auf die Liste „des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ und ermordeten den Juden Walter Eduard Seligmann, der zuletzt im Prager Ghetto als Sprachlehrer tätig war, und seine Frau Dorotea 1942.

Der Jurist als Doktor und Lebensretter im Ersten Weltkrieg:

https://www.franzdobler.de/2013/01/21/wie-franz-jung-einmal-vom-dr-serner-geholfen-wurde/bb

Sein berühmter Roman Die Tigerin in Hörspielfassung:

https://www.br.de/mediathek/podcast/hoerspiel-pool/die-tigerin-von-walter-serner/1034518

Sein legendäres „Handbrevier für Hochstapler und solche, die es werden wollen“ Letzte Lockerung gesprochen von Tocotronics Dirk von Lowtzow:

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/hoerspiel-und-medienkunst/hoerspiel-serner-letzte-lockerung-102.html

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JÜRGEN PLOOG

Für Jürgen Ploog zum 85. hat der Schweizer Dichter und Literaturkritiker Florian Vetsch eine Spezialausgabe für die Züricher Fabrikzeitung zusammengestellt: Ein sehr gutes Line-Up kommentiert das Werk oder erzählt über einen der interessantesten deutschen Autoren und so ziemlich letzten Vertreter der German Beats.

https://www.fabrikzeitung.ch/#/xx

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40 JAHRE EDITION TIAMAT

Zum Jubiläum hat Christof Meueler im Neuen Deutschland dieses Grußwort gezündet, und er hat keineswegs übertrieben:

Verleger Klaus »Bittermann kommt vom Anarchismus und kämpfte noch nie für irgendeinen Parteiaufbau, sondern stets gegen die Verlogenheiten der bundesdeutschen Gesellschaft, gegen Nationalismus, Antisemitismus und Dicktuerei, die bei Tiamat vorneweg attackiert wurden von den wichtigsten drei Autoren, Wiglaf Droste, Wolfgang Pohrt und Eike Geisel, die schon alle nicht mehr sterblich sind, wie sich Droste gerne ausdrückte. Er selbst starb im Mai dieses Jahres im Alter von 57 Jahren, »denn irgendwann gab es für Wiglaf kein Zurück in das geregelte Leben der heilen, abstinenten Welt, genauso wenig wie für Hunter S. Thompson und Guy Debord, zwei andere Fixsterne am Tiamat-Himmel, die aus Notwehr gegen die pathische Normaliät tranken«, schreibt Bittermann in seinem neuen Buch »Einige meiner besten Freunde und Feinde«. Darin erinnert er an die verstorbenen Helden seines Verlags, wie etwa den »letzten Marxisten« Robert Kurz, den »Paganini der Abschweifung«, Harry Rowohlt, die erfrischend unsentimentale Fanny Müller oder den trotz all seiner Genialität eher flachen Autor Roger Willemsen.«

https://edition-tiamat.de/category/neuerscheinungen/



BOB KAUFMAN IST

womöglich der faszinierendste unter den Beat-Poets, womöglich weil er (1925-86) der geheimnisvollste ist, womöglich weil er der am häufigsten untergetauchte ist oder der jazzigste von allen etc. (s. unten). Egon Günther hat jetzt einen neuen großartigen zweisprachigen Reader herausgegeben und übersetzt mit Werken von 1956-78:

186 S., 16 €

http://www.stadtlichterpresse.de/buch/978-3-947883-08-0.html

„In den Anfangstagen der San Francisco Renaissance wurde Bob Kaufman so etwas wie eine Legende. Seine Dichtung entstand während der Dichterlesungen durchweg aus dem Stegreif, oft von Jazz inspiriert. Mit seiner Improvisationstechnik, dem surrealistischen automatischen Schreiben verwandt, schuf er ein Werk, das von visionärer Lyrik, durchsetzt von satirischen, meist dadaistischen Elementen, bis hin zu prophetischer Dichtung, gespeist aus politischem und sozialem Protest, reichte.“

»Bob Kaufman war ein Dichter der Straße, ein Dichter der Menschen, ein Dichter der Dichter. Er war ein multiethnischer Dichter, ein afroamerikanischer Dichter, ein Beatdichter, ein surrealistischer Dichter, ein Jazzdichter, ein verfemter Dichter, ein New Orleans-Dichter, ein San Francisco-Dichter. Er war Mitbegründer und ›lebendiges Beispiel‹ der Beat Generation als literarisches, historisches und existenzielles Phänomen.« (Maria Damun, in The Outlaw Bible of American Poetry)



THORWALD PROLL IST

ja in den letzten 50 Jahren als dies und das bezeichnet worden, tatsächlich aber ist er einer der eigenwilligsten und interessantesten Lyriker, und nicht nur der „Pierrot Le Fou“ (wie ihn mal jemand im Godard´schen Sinn bezeichnet hat), sondern der Karl Valentin (oder sogar James Brown, dafür gibt es gute Gründe) unter den standhaften 68-ern, der seinen zahlreichen Gedichtbänden jetzt diesen hinzugefügt hat, check it out – get it on!

Thorwald Proll - Radikalinski

Gedichte Trikont-Duisburg und Dialog-Edition, 2019, 66 Seiten, 10 €

„Thorwald Proll geb. 22.7.1941 in Kassel, besuchte dort das humanistische Gymnasium.
Kam über ein Anfangsstudium für Germanistik und Theaterwissenschaften nicht hinaus.
Stattdessen lernte er in der Studentenbewegung einige „Volksuniversitäten“ (Gefängnisse) kennen. Folgerichtig erschien sein erster Gedichtband 1972 über die Zeit im Gefängnis als lyrische Beichte mit dem Lektor Klaus Röhler im Luchterhand Verlag. Zuletzt erschienen, jeweils als Self Publishing, die Bücher: „Raus mit der Sprache“, 2016 und „(M)Ein 68 Aufzeichnungen Briefe (Tagebuch) Schlusswort im Kaufhausbrandprozess Fotos Dokumente im Sinne des Unerforschlichen“, 2018.“



DAS GLÜCK DER FALSCHE FÄHRTEN

Unser alter Freund und Kollege (und Wien-Korrespondent darf man sagen) und der spannendste Schweizer Schriftsteller (sagen nicht nur wir), Andreas Niedermann, hat nicht nur ein neues Buch draußen, sondern es ist nach circa 13 oder vielleicht 23 Büchern sein most spooky & crazy Werk (bei allem Realismus, für den er geschätzt wird). Wunderschön passender Titel : Das Glück der falschen Fährten. Die 132 Seiten starke Novelle (bei Edition Baes) würden knallharte Marketing-Experten-Autor*innen natürlich Roman nennen, während wir mit einem Bulleit drauf anstoßen.

DIE AKTION DAZU HEUTE IN WIEN

ZUM INHALT „Was machen, wenn eines Tages eine berühmten Singer-Songwriterin bei einem einquartiert wird? Wenn Lucinda Williams, die sie sich in Wien – inkognito – ihre ramponierten Stimmbänder behandeln lassen will, mit einem Mal dasselbe Bad benutzt? Niedermann, der einen Vortrag zu schreiben hat, kommt dabei schwer aus dem Tritt. Jede Nacht erscheinen ihm Countrygrößen im Traum, seine Arbeit geht nicht voran, und so vertreibt er sich die Zeit mit Spaziergängen, dem Abschreiben fremder Texte, Erinnerungen an Boxkämpfe und Lesungen, vergangene Skandale und das 90er-Jahre Wien. Dabei denkt er auch über den Literaturbetrieb nach, streitet sich mit seinem Kollegen, dem Bestsellerautor Alex, und versucht ansonsten Lucinda Williams Aufenthalt in seinem „Camp“ so angenehm wie möglich zu gestalten.“

EIN AUSZUG “Bis vor kurzem hatte ich an der Uni geboxt, von 6 bis 7.30 Uhr … mir gefiel die Idee, dass mein Umgang mit der geistigen Elite dieses Landes sich auf das Austauschen von Schlägen, von Haken und Geraden beschränkte. Auf was sonst?, könnte ein Kritiker der geistigen Elite nachhaken. Aber die Kritiker der geistigen Elite gehörten ebenfalls zur geistigen Elite, und eine Krähe hackt einer anderen kein Auge aus. Außer die Krähe war der Ansicht, dass die andere Krähe über ein drittes Auge verfügte, das ihr einfach nicht zustand. Aber wen interessierte das? Lesen Sie Thomas Bernhard, der hatte dazu einiges zu sagen. Nein, lesen Sie Bernhard nicht. Wozu auch?”

EINE ART HINWEIS könnte man auch die neuste Short Story „Bad Ass“ auf seinem Blog nennen – aber Achtung! Für verblödete Radfahrer mit schwachen Nerven nicht geeignet!

http://songdog.at/blog/?p=14405



PLATZGUMER GEHT OPTIMAL

LESUNG mit Hans Platzgumer: Do 31.10. 20 Uhr @ Optimal Records München
Moderation: Ralf Summer, Plattenauflegen: Albert Pöschl

Hans Platzgumer

Geb. 1969 in Innsbruck, wohnhaft in Bregenz und Wien, wo er als Autor und Komponist tätig ist. Schreibt Romane, Essays, Theatermusiken und Hörspiele. In den 90er-Jahren wurde Hans Platzgumer für einen Grammy nominiert. Seit Beginn der 00er-Jahre verlagerte er den Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens hin zur literarischen Arbeit. 2016 stand sein Roman Am Rand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Zuletzt erschienen: Drei Sekunden Jetzt (Roman, 2018), „Holst Gate“ (CD/LP, 2018)

 

 

 

 

 



NICK TOSCHES DEAD

Nick Tosches, who started out in the late 1960s as a brash music writer with a taste for the fringes of rock and country, then bent his eclectic style to biographies of figures like Dean Martin and Sonny Liston and to hard-to-classify novels, died on Sunday at his home in Manhattan. He was 69.“

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Eine miese Nachricht, er war einer der größten und seit vielen Jahren unglaublich wichtig für mich. Vor ein paar Tagen, und das ist irgendwie bizarr, habe ich ihn bei meiner Buchvorstellung auf der Frankfurter Messe erwähnt, weil es eine Stelle im Buch gibt, die ich aus seiner Arnold Rothstein-Biografie „King of the Jews“ gesaugt habe. Ich habe mich sogar durch einige nicht übersetzte Originale gelesen, was harte Arbeit ist, weshalb sie nie ins Deutsche übersetzt wurden. Seinen Roman „In the Hand of Dante“ habe ich nicht geschafft, weil ich es nicht lesen konnte, sondern so sehr mit Dictionaries beschäftigt war, dass ich irgendwann aufgegeben habe … Goddam.



DENIZ YÜCEL (9)

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WILL STAPLES PFEILE & LIVE

Der großartige Schriftsteller Egon Günther hat einmal mehr tolle Gedichte von Will Staple übersetzt, und die Sammlung Pfeile bei Stadtlichter Presse (170 S., 20.-) kommt auch noch mit einer CD, für die Staple live 2017 gelesen und der legendäre Oud-Spieler Roman Bunka (Embryo, Dissidenten, Dein Kopf ist ein schlafendes Auto) eine handvoll Tracks beigesteuert hat.

Aus dem Vorwort von Gary Snyder: „Will Staples einmalige, schräge, originelle Poesie verfolge ich, seit wir uns in den sechziger Jahren erstmals begegnet sind.“

Aus dem Nachwort von Egon Günther: „Der feine Humor und die empfindsame Hintergründigkeit dieser Gedichte wurden mit Gesang, Gelächter und beifälligem Kopfnicken geteil an Lagerfeuern und Berghütten, in ländlichen Spelunken und großstädtischen Galerien.“

DIESSEN 25. September 2019, 20:00 Uhr
Der kalifornische Dichter Will Staple liest mit seinem Übersetzer Egon Günther und das Duo Señor Blues bringt mit Invite auch ein von ihm vertontes Gedicht Staples.
Buchhandlung Colibri, Bahnhofstraße 14, 86911 Dießen
MÜNCHEN 6. Oktober 2019, 19:00 Uhr
Will Staple liest mit seinem Übersetzer Egon Günther und musikalisch begleitet von Roman Bunka.
Galerie Klaus Lea, Fürstenstraße 19, 80333 München