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RINGSGWANDL

Passend zu Ringsgwandls 70. Geburtstag am 15.11. der Dokumentarfilm „Vogelwild“, und morgen mein Artikel in der taz: „Der König der motherfucking Stubnmusi“.

https://www.br.de/mediathek/video/doku-ueber-georg-ringsgwandl-zuerst-in-der-br-mediathek-vogelwild-av:5be5daef22f6a90018ac1cd0

„Vogelwild“ war 1992 Ringsgwandls drittes Trikont-Album. Nach „Staffabruck“ kam es dann zum Split, der im Buch „Die Trikont-Story“ auf S. 212 steht: Ringsgwandl zeigt Achim Bergmann den Entwurf zur nächsten Platte. „Auf dem Entwurf war er zu sehen mit einer Plastikente auf dem Kopf. Ich hab ihn angeguckt und gesagt: Willst du mich verarschen? Und dann haben wir uns angebrüllt, und die ganze Mannschaft inklusive Eva ist geflüchtet wegen dem Geschrei. Ich habe zu ihm gesagt: Das ist nicht dein Weg, und von mir kriegst du keine andere Auskunft, fertig. Da ist er brüllend verschwunden. Und das war´s dann“, erzählte Achim Bergmann. Übrigens kein böses Wort von Ringsgwandl über Trikont.

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Our Choice/Rough Trade 1997



DIE NEUE NUMMER

für die Fans von Filmen, die vom gehobenen Feuilleton in der Regel als weniger wertvoll erachtet werden. Spannend wie immer, welche Kennzeichnung das Heft bekommen hat, in diesem Fall: Die einunddreißigst Maß (29 hieß Beute, 22 Wurf usw).

„Unter dem Motto „Gegen das Vergessen“ porträtiert Benedikt Eppenberger den Schweizer Schauspieler und Regisseur Helmut Förnbacher unter besonderer Berücksichtigung seines Debütfilms SOMMERSPROSSEN; fabuliert Rainer Knepperges unter der Überschrift „Pudel, Hörnchen und Baum“ über Agatha Christie, den vergangenen Sommer und andere Ereignisse; eröffnen Stefan Ertl, Ulrich Mannes und Hans Schifferle eine neue Rubrik über deutschsprachige Nebendarsteller  (Character Actors); erkundigt sich unser Chefreporter Henry John Kaiser bei Jochen Werner über den Stählernen Filmclub . Außerdem finden sich im Heft: Erinnerungen an Günter Hendel und Erwin C. Dietrich, ein Porträt von Janey Robbins, aktuelle Mag-Empfehlungen der Redaktion und vieles andere mehr.“

http://www.sigigoetz-entertainment.de/



9.11.18/18

Zum Hundertjährigen der bayerischen Revolution zwei BR-Produktionen, a) brandneu (live im Radio am 9.11. 21h) und b) von beständiger Qualität:

„Desperados oder Hitler geht ins Kino“ von Rudolf Herz und Julia Wahren

Hörspiel-Chefdramaturgin Katarina Agathos dazu: „Der Einfluss auf Politik und Gesellschaft ist in die Medien eingeschrieben – dies stellt in unserer medienübersättigten Gegenwart niemand in Frage. Er existiert bereits seit der Frühzeit von Radio und Filmkunst. Das Hörspiel „Desperados oder Hitler geht ins Kino“ macht einen heute verschollenen Stummfilm und seine Geschichte hörbar und schärft die Perspektive auf die Verquickung von Politik, Militär und Propaganda. Der 1919 in München uraufgeführte Hetzfilm im Gewand eines Melodrams handelt von der Niederschlagung eines Arbeiteraufstands und denunziert die Revolutionäre als Kriminelle. Seine Entstehungsgeschichte zeigt die tiefe Spaltung in der Arbeiterbewegung und im Kabinett Eisner. Im Anschluss an die Ursendung erzählen die Hörspielmacher Julia Wahren und Rudolf Herz von ihren Recherchen und der Arbeit am Hörspiel.“

https://www.br.de/mediathek/podcast/hoerspiel-pool/desperados-oder-hitler-geht-ins-kino-von-rudolf-herz-und-julia-wahren/1293864

Andreas Ammer/Markus Acher/Micha Acher: The King is Gone. Des Bayernkönigs Revolutionstage

„Tröööt. Die Revolution bricht los, die „Hochzeitskapelle“ spielt Blasmusik, der letzte König ist traurig und packt seine Zigarren. Irgendjemand singt die Internationale. Und Karl Marx bekommt plötzlich doch recht: „Die letzte Phase einer weltgeschichtlichen Phase ist ihre Komödie.“ Die wichtigste Quelle des Hörspiels ist ein obskures braunes Heftchen eines gewissen Josef Benno Sailer, das 1919 – kurz nach der Räterevolution in München – erschien und von Carl-Ludwig Reichert in der Publikation „Umsturz in München“ (1988) in Erinnerung gebracht worden ist. // Nach einem zeitgenössischen Text von Josef Benno Sailer / Mit Friedrich Ani, Eva Löbau, Judith Huber, Wowo Habdank / Musik: Die Hochzeitskapelle: Evi Keglmaier (Bratsche und Kinderklavier), Mathias Götz (Posaune, Percussion und Glockenspiel), Alex Haas (Banjo, Kontrabass und Harmonium), Micha Acher (Tuba und Orgel), Markus Acher (Schlagzeug und Marimba) / Komposition: Markus Acher/Micha Acher / Realisation: Andreas Ammer / BR 2015

https://www.br.de/mediathek/podcast/hoerspiel-pool/andreas-ammer-markus-acher-micha-acher-the-king-is-gone-des-bayernkoenigs-revolutionstage/30952



ANKER GEGEN ASYL

ist eine Rede, die ich im Namen des Augsburger Flüchtlingsrats bei einer Demonstration vor dem Amtsgericht Augsburg am 7.11. gehalten habe:

ANKER GEGEN ASYL

Seit 2015 hat sich Bayern und seine Regierung stark damit beschäftigt, einen zunehmenden Rechtsruck in Deutschland zu unterstützen. Oft genug war die rechte Seite der CSU nicht mehr von der AfD zu unterscheiden. Mit Begriffen wie „Asyltourismus“ oder der Behauptung, Migration wäre „die Mutter aller Probleme“ in Deutschland, erreichten die christlich-sozialen Anführer ein besonders mieses Niveau.

Auch diese so genannten Anker-Zentren (mit ihrer vertuschenden Abkürzung für „Ankunft, Entscheidung, Rückführung“), diese Lager für Geflüchtete, denen man keinen Rettungsanker gewähren will, sind eine Idee dieser CSU-Christen – eine Idee, die genausogut aus der rechtsextremen AfD stammen könnte. Eine eiskalte bürokratische Idee, auf die nur jemand kommen kann, der mit Begriffen wie Humanität, Menschenwürde oder Asylrecht keine Inhalte mehr verbindet.

Diese Flüchtlings-Lager sind inzwischen (neben den rigoros-brutalen Abschiebungen nach Afghanistan) das stärkste Symbol dafür, dass das Grundrecht auf Asyl, das aufgrund der Erfahrungen der Nazi-Zeit eine große Bedeutung bekam, in Deutschland nicht mehr viel Wert hat, ebenso wie die Genfer Flüchtlingskonvention.

Ausgerechnet das reiche Deutschland, das auf unterschiedliche Arten in Fluchtursachen massiv verstrickt ist, fühlt sich diesen humanitären Errungenschaften immer noch weniger verpflichtet – aber das Maul immer ganz weit aufreißen und sich großartig vorkommen (darf ich mit Blick auf meine griechischen Freunde hinzufügen).

Diese Lager sind sozusagen die Bulldozer, mit denen die durchaus asyl-freundlichen Bilder des Jahres 2015 zurück- und weggeschoben wurden, um die rassistische Hysterie der angeblich so „besorgten Bürger“ einzudämmen (auch so eine irre Idee). Die Lager dienen vor allem dazu, den Prozess der Nicht-Anerkennung und Abschiebung zu vereinfachen und die Mauer um Europa weiter zu verstärken und um Abschreckung zu verbreiten.

Der Jurist und Journalist Heribert Prantl schrieb dazu in der Süddeutschen Zeitung: „Der inhaltlichen Prüfung jedes Asylantrags soll ein Zulässigkeitsverfahren vorgeschaltet werden, in dem dann in der Regel festgestellt wird, dass der Flüchtling überhaupt keinen Asylantrag stellen darf. Es soll immer dann auf ‚unzulässig‘ erkannt werden, wenn es irgendeinen Staat in Heimatnähe des Flüchtlings gibt, der hierzulande als für diesen Flüchtling sicher gehalten wird. In diesen ‚Drittstaat‘ soll er verbracht werden. Eine inhaltliche Prüfung des Asylantrags gibt es dann nicht mehr (…) Deutschland übernimmt die Führungsrolle bei der Durchsetzung dieser Zurückweisungspolitik.“

Auf die Problematik dieser Massenlager wurde von Anfang an hingewiesen, nicht nur von Helferkreisen und Flüchtlingsräten, sondern auch von den tatsächlich christlichen Teilen der CSU und von anderen Bundesländern. Aber wie so oft geht Bayern auch in Sachen Ankerzentren besonders scharf voran. Das zeigen auch die Vorfälle der letzten Monate, eine Anhäufung von überzogenen und dubiosen Maßnahmen, wie im Fall Donauwörth, um den es heute hier am Amtsgericht Augsburg geht. (* Anm. s. unten)

Agnes Andrae vom Bayerischen Flüchtlingsrat brachte es auf den Punkt: „Massenlager und AnkER-Zentren scheinen sich immer mehr zu einem rechtsfreien Raum zu entwickeln, in dem Sicherheitskräfte walten können wie sie wollen und die Polizei in die Privatsphäre der Bewohner*innen eindringt und wahllos Menschen inhaftiert“. Bayern geht Richtung rechts voran, was Einschüchterung und Verhinderung von Integration und Gewährleistung von humanen Bedingungen betrifft.

Wer die Hoffnung hatte, nach den Wahlen in Bayern würde sich in Sachen Asylpolitik irgendwas zum Besseren verändern, konnte diese Hoffnung jetzt begraben. Die Koalitionsvereinbarungen von CSU und Freien Wählern stehen für Repression, Lagerunterbringung, maximale Reglementierung. Parole: Macht es Geflüchteten so schwer wie möglich. Diese Freien Wähler sind nur eine neue Abteilung der CSU und das bedeutet die Fortsetzung einer menschenfeindlichen Asylpolitik.

Der Augsburger Oberbürgermeister gehört zur CSU-Abteilung, die behauptet und glaubt, mit diesen Massenlagern auf christliche Weise ihre Heimat zu schützen – der Augsburger Flüchtlingsrat hält sich lieber an das Grundgesetz und sein Grundrecht auf Asyl: und fordert deshalb die sofortige Schließung aller Ankerzentren genannten Massenlager.

(*) Am 14. März 2018 sollte ein Asylbewerber aus der Unterkunft zur Abschiebung abgeholt werden. Nach Protesten kam es zu einem massiven Polizeieinsatz. 27 Asylbewerber wurden wegen Beleidigung, Widerstands, Landfriedensbruchs u.a. zu Geldstrafen verurteilt. Zwei von ihnen erhoben Einspruch gegen die Strafbefehle über 800.- bzw. 900.- Euro. Ihre Einsprüche wurden am 7.11. am Amtsgericht Augsburg abgelehnt, die ursprünglichen Strafbefehle bestätigt.



CATWALK SMALLTALK (13)

EIN TRAUM, DIESER VORZEITIGE RUHESTAND.

ENDLICH VERDIENTE RUHE NACH DER HETZJAGD. ES WAR (hustet) EINE VERDAMMT HARTE ZEIT.

DER ER GROSSARTIG STANDGEHALTEN HAT. MUSS MAN SAGEN.

MUSS MAN WOHL NOCH SAGEN MÜSSEN.

JETZT BUCHVERTRÄGE UND PODCASTOPTIONEN.

FALLS NOCH ZEIT IST. DER NEUE JOB BEI BLACKROCK WIRD FÜR EINEN RUHESTANDSBEAMTEN KEIN SPAZIERGANG WERDEN.

BLACKROCK IST KEIN WUNSCHROCKKONZERT. DOPPELKONZERT BLACKROCK MEETS BLACKWATER.

BLACKWATER? DU SPINNST GANZ SCHÖN.

GLAUBE ICH NICHT. WIR WERDEN BEOBACHTET.

DU VIELLEICHT. ICH HAB DIR GESAGT, DU SOLLST NICHT OHNE UNTERWÄSCHE RAUSGEHEN.



SPITZENSATZ (40)

„Noch die alltäglichsten Handlungen – einen Kühlschrank öffnen, auf einem Sessel Platz nehmen, einen Drink bestellen – spiegeln sich in seinem Gesicht als Epochenbrüche wider.“

(Arne Koltermann, Filmdienst, via Perlentaucher, 3.11.2018) * Anm.: Die Unterhaltungsred. protestiert wieder einmal, in dieser Rubrik nichts kommentieren zu dürfen, erfolglos.

 



DAS HOBOS

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MEINE ANTWORT

bei einer Welt-Umfrage zur Buchmesse über mein Verhältnis zur Literaturkritik war dies:

„Mit den Leuten aus der Literaturkritik-Abteilung habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Das läuft immer äußerst fair ab, muss ich sagen. Viele aus unserer Abteilung können nicht schreiben, und viele aus ihrer Abteilung können auch nicht lesen: Das ist Gerechtigkeit. Deutschland ist ein faires und gerechtes Land, seine Literaturkritikerinnen und -kritiker sind ein Vorbild. Läuft die Kamera schon oder soll ich´s wiederholen?“



FLUCHTURSACHEN & KAPITALISMUS



NILS KOPPRUCH (21)

„Etwas Besseres als den Tod finden wir überall“ war unglaublicherweise der Song, an dem Nils Koppruch zuletzt, vor seinem Tod am 10. Oktober 2012 gearbeitet hatte. Just another song oder für das zweite Kid Kopphausen-Album, möglicherweise. Sein Freund und Partner Gisbert zu Knyphausen hat den Song dann für sein Album Das Licht dieser Welt großartig vollendet, interpretiert und mit Nils´ vorhandenem Entwurf collagiert.

https://www.youtube.com/watch?v=F2Kyxo-uxuw