Literatur

CHARLIE HEBDO No.1517

feuerte in der Ausgabe vom 18.8. diesen Literatur-Witz ab, den ich hier ziemlich korrekt übersetze:

Mann1: Man hat tausende Seiten von Céline wiederentdeckt!

Mann2: Genial! Gut, ein bisschen antisemitisch, nebenbei bemerkt.

Frau1: Aber nicht antifeministisch. 

Mann3: Und nie transphob!

...

 



ES GEHT VORAN

Ist möglicherweise ein Bild von außen und Baum

foto c frank schäfer



WIR BEANTWORTEN WIE IMMER AUCH

die schwierigsten Fragen gerne im Kummerkasten unserer Problemlösungsabteilung: „Kann man in der Sprache, wie sie der Zeitgeist fordert, überhaupt noch – aus dem Vollen schöpfend, nach Wahrhaftigkeit strebend – literarische Texte verfertigen?“, fragt Matthias Politycki in der FAZ (laut Perlentaucher, 17.7.).

Antwort: Nein, wenn man in diesem Trichter gelandet ist – und es stünde um die deutsche Literatur sehr viel besser, wenn mehr Autor***innen sich für ein klares Nein entscheiden könnten. Für diesen Autor kommt die helfende Antwort wohl zu spät, er flüchtet nun nach Wien, heißt es, ein weiterer Leidtragender in der erschreckend langen Reihe deutscher Vertriebenen. Beruhigend ist nur die altbekannte Weisheit: Wien bleibt Wien.



EINE STARKE GESCHICHTE

zum 100. Geburtstag von Walter Benjamin, geschrieben und ausgegraben von Jonas Engelmann:

https://jungle.world/artikel/2020/35/der-engel-wird-100

„»Das Bild beginnt, sich zu zersetzen«, erklärte mir eine Museumsmitarbeiterin vor ­einigen Jahren, als sie mich in die Depoträume begleitete. Kein Wunder, dass das Aquarell mittlerweile angegriffen ist; nicht viele Bilder ­haben eine vergleichbare Kontinente übergreifende Geschichte: Es wurde versteckt, verschifft und eingenäht in ein Jackett über Ländergrenzen geschmuggelt. Walter Benjamin erwarb das Bild im Frühling 1921 in der Galerie Hans Goltz für 1 000 Reichsmark, als er seinen Freund Gershom Scholem in München besuchte.“

Walter Benjamin – Wikipedia



INTERVIEW MIT CHAMPIONS

Die neue Ausgabe des Online-Magazins CrimeMag mit einem so interessanten wie langen Interview,  Autor Robert Brack (den ich schon seit etwa 1945 kenne, als wir beide auf der Nautilus angeheuert hatten) befragt Kritiker Tobias Gohlis – ein Treffen von Champions:

http://culturmag.de/crimemag/robert-brack-interviewt-tobias-gohlis/135496

Robert Brack: Das Gangsterbüro - Krimi-Couch.deDer Kommissar von St. Pauli (Alfred-Weber-Krimi 3) - Taschenbuch | ULLSTEIN



SCHON SELTSAM

dass ich hier gestern meinen Freund Wiglaf Droste erwähnte, ohne im Kopf zu haben, dass er gestern vor zwei Jahren gestorben ist. Wurde ich erst heute daran erinnert. Ich erinnere mich, wie er sich bei unserem letzten Gespräch am Telefon eine Woche vor seinem Tod verabschiedete: „Jetzt schaue ich mir ein paar Filme von Sam Peckinpah an, ich weiß noch nicht, womit ich anfange, ich glaube The Wild Bunch.“ Und ebenfalls gestern musste ich eine Geschichte regeln, bei dir ich ihn sozusagen an der Hand hielt. Schon seltsam. Das ganze Leben ist eigentlich vor allem seltsam.

Ganz neu & fast neu bei Edition Tiamat



SAUERBRATEN MIT ANTIFA

Der große Stuttgarter Journalist und Kolumnist Joe Bauer, ebenfalls Autor bei Edition Tiamat, hat für die jetzt erschienene Sammlung und „autobiographische Schnitzeljagd“ unseres vor zwei Jahren verstorbenen Freundes Wiglaf Droste diese melancholische Erinnerung beigesteuert (in der es neben Sauerbraten und Antifa auch um angewandte Sprachforschung geht: „Außer den letzten Rotlicht-Veteranen im Stuttgarter Kessel dürfte das Wort „Haipfler“ kaum noch jemand kennen.“):

https://www.kontextwochenzeitung.de/kolumne/525/sauerbraten-7444.html?fbclid=IwAR0-k81yUFU5dI5xqVBQkUlLbouWwRmdW_LHRAjVt2ZbooGX6P1rcku-OG8



EXTREM WAHRE WORTE

schreibt unser Freund und Wien-Korrespondent Andreas Niedermann über das, was PolitikerInnen unter „Verantwortung“ verstehen:

„(…) Wo sich vor hundert Jahren „Verantwortungsträger“ bei Versagen entleibt und noch vor 40 Jahren Politiker „den Hut genommen“ haben, ist heute das Übernehmen von politischer Verantwortung ein rein verbaler Akt. „Ich übernehme die Verantwortung“ wird in den Medien gesalbadert, und damit hat es sich auch schon. Das war’s. Nicht mal Zerknirschung, geschweige denn Rücktritt. Die Verantwortung, wenn’s schief geht, tragen andere : Nämlich die Arbeitenden in den Spitälern, die schon kein Zahnfleisch mehr haben, um darauf zu gehen. So fuck yourself mit deiner Verantwortung!“

Wer seine Romane liest, muss keine Verantwortung übernehmen, aber ein bisschen von dem guten alten Grips mitbringen, der meistens auch im Impfstoff Mutt-A-Wit.z enthalten ist:

uva

https://www.niedermann.at/ + https://www.songdog.ch/songdog-home.html



WAITING FOR MY MAN G.

Ist möglicherweise ein Bild von 1 Person und Text „SWR2 "EVER TRIED. EVER FAILED. NO MATTER. TRY AGAIN. FAIL AGAIN. FAIL BETTER." Α 31a OL AC SAMUEL BECKETT“

Still my favorite play, ich kann mich einfach nicht weiterentwickeln, habe es auch aufgegeben einen seiner Romane (weiter)lesen zu wollen, und auch an meinen Wunsch, Melville möchte es doch endlich verfilmt haben, kann ich mich kaum erinnern.



KRIMINELL GUT

Eine neue Ausgabe des online-Magazins CrimeMag, das, ich scheue mich nicht, diesen seltenen originellen Ausdruck auszugraben, kriminell gut ist:

http://culturmag.de/crimemag/crimemag-editorial-ausgabe-april-2021/133858?fbclid=IwAR0JPfXryuXKVoKXABmSeC66JI6pBR2NXzf-A9e3tMTM-70gmtnxnbIUyyg