Literatur

100 JAHRE BUKOWSKI

Wenn man in einem Dschungel sitzt und nur ein Netz hat, das kaum eine Feldmaus tragen könnte, muss man mit Worten sparsam umgehen bzw. – und das wäre schon mal eine Bukowski-Lektion – noch vorsichtiger als sonst. Ich war 17 und hatte immerhin eine Buchhandlung in Reichweite, die das Taschenbuch Aufzeichnungen eines Außenseiters im Angebot hatte. Am Anfang also ein falscher Titel, denn das Original heißt ja Notes of a dirty old man, genauer gesagt eine Marketing-Lektion, but anyway, das wusste ich natürlich nicht, und von da an gings aufwärts. Jetzt, vielleicht animiert vom Rauschen der Autobahnen und Landstraßen um mich herum, fällt mir ein, dass mich eine Zeitung einlud, einen Nachruf zu schreiben, ich weiß nicht mehr, welche, aber ich könnte es jetzt in meinem Buch Sprung aus den Wolken nachlesen, wenn ich so blöd wäre, mit einem Buch von mir in den Dschungel zu gehen.

Michael Schweßinger hat eine sehr schöne Buk-Reflexion geschrieben: „Es gibt also für mich eine zweifache Lesart bei der Lektüre von Bukowski. Eine frühe und eine, die sich mir erst nach und nach durch die Erfahrungen des eigenen Lebens offenbart. Outsider zu sein, gegen den Strom schwimmen, ist irgendwann nicht mehr ein glänzendes Pin-up-Poster wie in der Jugend, sondern wird eher zur dusty beaten road, aber da erst lernst du die kleinen poetischen Zärtlichkeiten am Rande schätzen.“

https://www.jungewelt.de/artikel/384332.literatur-die-kleinen-z%C3%A4rtlichkeiten-am-rande.html

Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprangAlle reden zu viel



ERICH MÜHSAM KILLED BY NAZIS JULY 10th 1934

Das seid ihr Hunde wert! Ein Lesebuch Sechs Tage im April. Erich Mühsams Räterepublik

„Es ist nicht möglich, Leben und Werk Erich Mühsams zu trennen. Er war Bohemien, Dichter, Anarchist, Humorist, politischer Publizist, Dramatiker, bisexueller Erotomane, Revolutionär, selbst in größter Not unbeirrbarer Menschenfreund und schließlich eines der ersten prominenten Opfer der Nazis. 1933 wurde er noch in der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet und nach monatelanger Folter im KZ Oranienburg ermordet.“

https://www.verbrecherverlag.de/author/detail/150



BUKOWSKI 100 EXTRABLATT DRECKSACK

Eine der besten deutschen Literaturzeitschriften (die eine supergebildete und -studierte, privilegierte weiße Deutsche wie Hengameh Yaghoobifarah sowieso nicht auf ihrem Schirm hat, um nicht in Gefahr zu geraten, in diesem sprachlichen Prekariat vielleicht abzusaufen) widmet sich dem Mann, der sich nicht mal von seinen Fans korrumpieren ließ. Mein Beitrag ist ein Gedicht mit dem Titel „Fakten“, bei dem ich mich in den ersten Zeilen an Bukowskis Gedicht „Fakten“ orientiert habe. Unten die Links zu Inhaltsangabe und Bestellung.

Bild könnte enthalten: 3 Personen, Personen gehen spazieren und Text

„Die beteiligten Autoren und Fotografen sind diesmal: Gerd Adloff, Michael Arenz, Charles Bukowski, Marvin Chlada, Franz Dobler, Jerk Götterwind, Florian Günther, Thomas Kapielski, Benno Käsmayr, Axel Klingenberg, Susann Klossek, Clint Lukas, Signe Mähler, Todd Moore, Jan Off, Roni, Jürgen Roth, Frank Schäfer, Katrin Schings, Hauke Schrieber, Michael Schulte, Silke Vogten, Carl Weissner Fotografien: Michael Dressel, Signe Mähler, Hauke Schrieber

Das Inhaltsverzeichnis: www.edition-luekk-noesens.de/drecksack/aktuelle-ausgabe/

DreckSack-Bestellung: www.edition-luekk-noesens.de/shop-1/drecksack/
Bitte beachten: auf Grund der 4 zusätzlichen Seiten, mußten wir den Preis für diese Ausgabe von 4 Euro auf 4,50 Euro erhöhen.“



JÖRG SCHRÖDER IST AUF EINEN BESSEREN PLANETEN

geflogen. Der legendäre Autor und Verleger des März-Verlags starb am 13.6. im Alter von 81 Jahren in Berlin.

„Jörg Schröder liebte seine Arbeit, war trotz seiner Krankheiten immer optimistisch und voller Ideen. Ich habe mehr als mein halbes Leben mit ihm zusammen verbracht und werde ihn sehr vermissen. Es war ein Geschenk, mit ihm vierzig Jahre leben zu dürfen
“, schreibt Barbara Kalender, seine Frau und Co-Autorin des taz-blogs und der Mammut-Serie Schröder erzählt. „Er starb dort, wo er vor fast 82 Jahren geboren wurde – im Weddinger Virchow-Kinikum. Im dortigen Deutschen Herzzentrum war er seit vielen Jahren in Behandlung. Die diensthabende Ärztin erzählte, er sei ruhig im Schlaf gestorben. Wir werden seine Asche im heimatlichen Berliner Sand beisetzen. In einem Grab in Niederschönhausen, dort wo bereits die Urne seiner Mutter ruht und wo er als kleiner Junge lebte.“

Ich selbst wurde wie so viele andere von seinen die Gesellschaft stark inspirierenden Produktionen wie Acid oder Hamlet oder Der Doppelkopf oder Bei Oma brennt noch Licht oder Schöne Verlierer und seinem eigenen Bericht Siegfried und vielen anderen März-Büchern verdorben, gefördert oder sonstwie geprägt und war wie vom Blitz getroffen, als ich eines Tages mitbekam, dass er und Barbara Kalender „plötzlich“ in einem Dorf in meiner Nähe lebten und dann auch noch nach Augsburg zogen. Eine schöne Erinnerung: Wie sich das most terrible Enfant der deutschen Verlagslandschaft rührend um seine alte Mutter kümmerte.

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Der zweite Blitz traf mich, als mir das Duo Schröder&Kalender den wichtigsten deutschen Literaturpreis verlieh, den März-Efeu, den sie seit 1999 denjenigen überreichten, „die wir im März Verlag, wenn er noch ein allgemeines Programm produzierte, gern verlegen würden (…) Die bisherigen Preisträger sind (in der Reihenfolge der Verleihung): Florian Felix Weyh, Franz Dobler, Wiglaf Droste, Gerhard Henschel, Albrecht Götz von Olenhusen, Paulus Böhmer, Johannes Ullmaier, Thomas Kapielski, Jürgen Roth, Jamal Tuschick, Wolfgang Müller, Françoise Cactus, Annett Gröschner“ (taz, 30.6.2008). Diese Auszeichnung bleibt mein Auftrag.

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DER GROSSE DICHTER AUS RADEBEUL

will nun doch nicht Kulturamtsleiter werden, sondern vermutlich ein Buch darüber schreiben, Wie ich einmal ganz brutal diskriminiert wurde, als ich einmal deutscher Kulturamtsleiter in der Nähe von Dresden werden wollte oder so ähnlich.

Der Historiker und Beobachter der Neuen Rechten, Volker Weiss, hat schon den Kommentar dazu geschrieben: „Ich denke, es [sein Rückzug; Anm. d. V.] lag daran, dass sich seine Behauptung, nichts mit der Neuen Rechten zu tun zu haben, als unhaltbar erwiesen hat (…) Sagen wir, Bernigs Kommunikationsstrategie via „compact“, „Sezession“ und „Burschenschafter“ war insgesamt nicht unbedingt optimal …“.

Und der große Dichter kann sich ja damit trösten, dass er weiterhin Mitglied des renommierten deutschen PEN (Poets Essayists Novelists) bleiben darf (in den man, damit hier keine falschen Einschätzungen aufkommen, nicht eintreten, sondern nur hineingewählt werden kann, nachdem man von zwei Fürsprecher*innen vorgeschlagen wurde).

https://www.tagesspiegel.de/politik/debatte-um-neurechten-autor-bernig-zieht-bewerbung-als-kulturamtsleiter-von-radebeul-zurueck/25907076.html?fbclid=IwAR3ox_wXqKWySKIkue0vKXbBosibsDDkjD9NslRXqMT4S6iWnzyy8rkrRcw

Aus der Erklärung vom 25.5. des PEN-Zentrums: „Vor diesem Hintergrund bitten wir Herrn Bernig zu prüfen, inwieweit er seine Verpflichtung gegenüber der PEN-Charta wahrnehmen kann, und ggfs. die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.“

https://www.pen-deutschland.de/de/2020/05/25/statement-des-pen-praesidiums-zu-joerg-bernig/



EINER DER BESTEN LITERATUR-BLOGS

ist der Block, der vom geschätzten Kollegen Jamal Tuschick mit größter Intensität betrieben und betreut wird. Man braucht kein Ticket, um dort ausufernde Weltreisen unternehmen zu können, die einen weit über den Planet „Literatur“ hinausschleudern.

https://www.textland-online.de/index.php?article_id=8

„Der digitale MAIN LABOR-Blog ist eine öffentliche Bühne für transkulturelle, lebendige Begegnungen und Kontroversen. Hier debattiert Jamal Tuschick mit jungen Autorinnen und Autoren über ihre Literatur und die Auswirkungen der neusten gesellschaftlichen Entwicklungen auf ihre Arbeit. Der Blog wird ständig aktualisiert.“

Ergänzung: „Safiye Can sprach mit Jamal Tuschick über den Einfluss der interkulturellen Literatur in Deutschland und über Möglichkeiten der Gestaltung der offenen Gesellschaft durch literarische Ausdrucksformen. 4. Dezember 2018“

https://heimatkunde.boell.de/de/interview-mit-jamal-tuschick

Ich war ein Invisible-Man in der Burroughs-Spielart": Interview mit Jamal  Tuschick | heimatkunde | Migrationspolitisches Portal der  Heinrich-Böll-StiftungMorgen Land“ (Jamal Tuschick) – Buch gebraucht kaufen – A02k3OBU01ZZlKeine große Geschichte: Roman edition suhrkamp: Amazon.de: Jamal Tuschick:  Bücher

Jamal Tuschick: „Die Akzeptanz interkultureller Literatur war im Publikationsjahr von Morgen Land groß. Man riss sich um uns. Es gab damals sogar Autor*innen, die sich selbst eine ethnische Differenz angedichtet haben, um mitmachen zu können. In einem Fall wurde eine polnische Großmutter als Referenz bemüht. Franz Dobler thematisierte zum ersten Mal seine deutsch-iranische Abstammung. Ich habe Morgen Land auch als ironisches Statement verstanden.“



IN MEMORIAM JÜRGEN PLOOG

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FAZ, 30.5.2020



3 BÜCHER DIE MAN UNBEDINGT

gelesen haben sollte, ehe die Tage wieder kürzer werden (oder noch kürzer). Diese Rubrik hatten wir für die Stream-Lesung am 27. aufgenommen, hier meine besten guten Ratschläge für geistige Gesundheit – if in doubt consult your Krankenkasse:

Zoran Terzić: IdiocracyKlett-Cotta :: Milchmann - Anna Burns



ZUM TOD VON JÜRGEN PLOOG

meldet der Perlentaucher heute dankenswerterweise dies: „Dass der deutsche Beat-Schriftsteller und frühere Lufthansa-Pilot Jürgen Ploog, der gemeinsam mit Jörg Fauser und Carl Weissner in den Siebzigern die Literaturzeitschrift Gasolin 23 gegründet hat, vor einer Woche gestorben ist, scheint den Feuilletons entgangen zu sein. Eine knappe Meldung finden wir in der Jungen Welt, einen umfangreichen englischsprachigen Nachruf von Edward S. Robinson gibt es im Blog des European Beat Studies Network: „Ploog kam eine Schlüsselposition darin zu, die CutUps nach Europa zu bringen und, was noch tragender ist, die Methode auf jene Weise zu propagieren, wie auch Burroughs dies tat, als er schrieb: ‚Cut-Ups sind für alle da.‘ … Seine begeistertes Interesse an und sein Bewusstsein für Sprache und ihre Formbarkeiten machten aus Jürgen Ploog einen starken Vertreter der Cut-Ups. Seine Liebe zum Detail und den Nuancen von Bedeutungen, aber auch sein geschärfter Blick für Gegenüberstellungen und Missverhältnisse, belegen nicht nur seinen leidenschaftlichen Intellekt, sondern weisen Ploog auch als jemanden aus, der sich ganz der Verfeinerung seines Handwerks widmete.“

Dazu diese Ergänzung von Jürgen Ploogs engem Freund Florian Vetsch: „Jay ist am 19. Mai 2020, kurz vor dem Mittag, im Kreis seiner Familie gestorben, nach langem, hartem Kampf, friedlich und in liebevoller Stimmung“ (wie ihm Anna Ploog schrieb).



JÜRGEN PLOOG IST TOT

Der Autor und Langstreckenpilot wurde 85. „He died at home in Frankfurt, peacefully, surrounded by family“, schreibt Jan Herman in seinem Nachruf (s. unten). Jürgen war ein Gentleman, oder genauer gesagt „einer der ganz wenigen ehrbaren Männer in diesem Scheißliteraturbetrieb“, wie es mir Kiev Stingl mal knapp erklärte. Bei einem Literaturfestival in Bern 1983 hatte ich Jürgen kennengelernt.

Zuletzt habe ich ihn, wenn ich mich richtig erinnere, bei einer Lesung in Darmstadt vor vielleicht fünf oder sieben Jahren getroffen. Jedenfalls fuhr er immer noch seinen alten Mercedes, in dessen Begleitung ich ihn schon immer gesehen hatte. Seine alten Freunde Carl Weissner und Jörg Fauser haben ihm einen Platz freigehalten, wo auch immer. Er ruhe in Frieden.

https://www.artsjournal.com/herman/2020/05/jurgen-ploog-r-i-p.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+StraightUpHerman+%28Straight+Up+%7C+Herman%29

Jürgen Ploog im Gespräch mit Hadayatullah HübschPloog Tanker: Texte von & zu Jürgen Ploog: Amazon.de: Florian ...Undercover: Amazon.de: Jürgen Ploog, Jan Off: BücherWord is Virus: Essays. 100 Jahre William S. Burroughs: Amazon.de ...Amok /Koma: Ein Bericht zur Lage: Amazon.de: Pociao de Hollanda ...