DAS IST DAS BUCH

auf das der Verlag und alle Autor:Innen lieber verzichtet hätten:

NACH DEM 7. OKTOBER – Essays über das genozidale Massaker und seine Folgen.

Hrsg. von Tania Martini und Klaus Bittermann (mit Beiträgen von Nele Pollatschek, Volker Weiß, Armin Nassehi, Eva Illouz, Meron Mendel, Kira Kramer, Seyla Benhabib, Deniz Yücel, Claudius Seidl, Thomas von der Osten-Sacken u.v.a.) bei Edition Tiamat.

Ein Buch über den blanken Horror, mit Analysen und Beschreibungen der Ereignisse, der historischen Bezüge und Hintergründe, der Auswirkungen in den unterschiedlichsten antisemitischen Szenen außerhalb Israels. Auch ein Beispiel dafür, was Israel-Kritik von Israel-Hass unterscheidet. Oder anders gesagt, wenn ein Buch echte Macht hätte, wären die Probleme mit Hamas und ihren Verbündeten und BDS-Freund:Innen bald erheblich geringer.

Und ein Buch übrigens, das bei keinem anderen Verlag besser aufgehoben wäre, denn es steht am Ende einer langen und langjährigen Reihe von damit verbundenen Veröffentlichungen, wie, um nur einige zu nennen, Nach Auschwitz/Hannah Arendt, Die Untiefen des Postkolonialismus/Div., Vom Hass zum Genozid/Léon Poliakov, Die Wiedergutwerdung der Deutschen/Eike Geisel, Gesichter des politischen Islam/Div. oder, ebenfalls neu, Israelphobie von Jake Wallis Simons.

Am Ende ihres Vorworts zitieren die Hrsg. den Autor, jüdischen Widerstandskämpfer und Auschwitz-Überlebenden Jean Améry (1912-1978), an den man sich als Antifaschist heute wie an einem Leitstern orientieren kann, der schon Ende der Sechzigerjahre frappierend viel über die Situation heute geradezu vorhergesehen hatte, vor allem auch über das katastrophale Verhalten bei diversen Linken:

<Jenseits jeder Kritik nationalstaatlicher Konzepte und Gewalten sind es die Worte Jean Amérys, die den Kern eines Gefühls zu Israel treffen, das viele teilen können: „Meine persönlichen Beziehungen zu diesem Land […] sind quasi null: Ich habe es niemals besucht, spreche seine Sprache nicht, seine Kultur ist mir auf geradezu schmähliche Weise fremd, seine Religion ist nicht die meine. Dennoch ist das Bestehen dieses Staatswesens mir wichtiger als das irgendeines anderen.“>

(Ebenso zwingend also die Neuausgabe einiger, von 1969-76 veröffentlichter Améry-Essays zum Thema, im Verlag Klett-Cotta, in dem auch sein Gesamtwerk erscheint: Der neue Antisemitismus. Mit einem Vorwort von Améry-Biografin Irene Heidelberger-Leonard.)

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