leider nur musikalisch morgen in der Wirtschaft Kappeneck mit DJ Matthias Hacker vom Bayerischen Rundfunk. Die Sounds von Zydeco & Cajun & Nawlins´SoulJazzFunk begleiten ab mittags den „Soul Food Sunday“ von Wirt und Chefkoch Sandro DiNobili. Um die Uhrzeit war ich noch nie als Plattenleger tätig, bin aber jetzt alt genug für so ´nen Sondereinsatz. Der übrigens klargemacht wurde bevor jetzt das Cajun&Zydeco prägende Akkordeon als Instrument des Jahres in die Nachrichten kam. Wobei ich übrigens erleben möchte, dass das Waschbrett etc.
Angestochen von Louisiana-Music (und informiert von den Romanen von James Lee Burke) waren wir 1994 dort. In den Jahren war die Musik ein bisschen trendy in South of Germany, bei Trikont sind neun Compilations mit Cajun/Zydeco (-History) erschienen – (die man mit vier New Orleans Old School Rhythm&Blues/Funk-Compilations bei SoulJazz Rec. ergänzen kann) -, aufgestellt von Christoph Wagner und Jonathan Fischer, der auch Konzerte u.a. mit John Delafose und Rosie Ledet veranstaltete, und 1995 gaben Peter Bommas und ich den Reader Down In Louisiana heraus, mit Beiträgen von Christiane Lembert, Thomas Meinecke, Thomas Palzer u.a. über Musik, Voodoo, Essen und sonstige kulturellen Eigenarten.
Nicht ausgeschlossen, dass es jetzt ein Comeback gibt, nachdem das Akkordeon in Germany als Instrument des Jahres aufgestellt wurde, weshalb nd-Redakteur Christof Meueler seinen Artikel dazu mit der Aufforderung beendete, „hört Attwenger, Cajun und Zydeco.“ Was er natürlich auch im Sinn von Rock´n´Roll meinte oder, wie man dort sagt, hot music, wenn nicht sogar hot hot.
Der Romancier James Lee Burke hat alles beschrieben, was es über Louisiana/Cajun-Country zu wissen gibt, absolut alles und ausnahmslos mit die beste Literatur, die ich kenne. Allein im Pendragon Verlag gibt es 24 Romane mit Detective Dave Robicheaux in der Hauptrolle. Wer von Kriminalromanen ´ne nette Sache zum locker Weglesen beim Fernsehn mit lecker-lustiger Blutwurst erwartet, sollte sich davon fernhalten. Und der fast 90-jährige JLBurke bleibt dran, auch wenn er in Interviews auf seine immer auch bodenständige Art den Präsidenten angreift. Der alte Burke ist deshalb eine starke Stimme gegen die Rechten, weil er nicht nur hochgebildet ist, sondern echten Kuhdreck an den Stiefeln hat und man keine zehn Seminare besucht haben muss, um seine Romane zu verstehen.
Ohne Hintergedanken und eher zufällig hab ich grad seinen Roman Flamingo wiedergelesen, der im Original 1990, deutsch 93 erschien. Eine Stelle, die uns damals von der Reise nicht abgeschreckt hat: „Im Augenblick haben viele Leute ihre Liebe zur Cajun-Kultur entdeckt, aber sie wissen nur wenig von deren dunkler Seite: organisierte Hunde- und Hahnenkämpfe, die beiläufige sexuelle Ausbeutung schwarzer Frauen, die ignorante Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt, die unter anderem dazu geführt hat, daß große Teile der Sumpfgebiete trockengelegt und durch Industrie schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Und nur wenige Leute, die nicht von hier sind, verstehen die extremen Gefühle der Cajuns, wenn es um Treue und das Besitzdenken gegenüber anderen Menschen geht (…) Manche mögen das als die einfache Bigotterie von Rednecks abtun, aber meiner Meinung nach sind die Hintergründe wesentlich vielschichtiger …“
https://www.pendragon.de/james-lee-burke
https://www.discogs.com/de/release/6707966-Various-Kings-Of-Zydeco-Black-Creole-Music-From-The-Deep-South-Swamp-Music-VolIII
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1196859.bessere-musik-bitte-das-akkordeon-neu-entdecken.html