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ROCK’N’ROLL FEVER II

Text aus dem Buch, Ergänzung zur vorhergehenden Eintragung:

RICHARD BERRY (Abb. 102) Noch ein One-Hit-Wonder. Doch bei ihm steht ein großes Werk hinter einem der besten Hits, die je geschrieben wurden: „Louie, Louie“. Der 20-jährige Sänger und Komponist hatte es 1955 in der Pause zwischen zwei Auftritten geschrieben, das Potential hörte niemand. Erst 1957 veröffentlichte er sein Original mit den Pharaos, und weil er dabei war, seinen Sound zu verändern, gab er zum R´n´B eine Spur Calypso. Als mir Guido das vorspielte, kam es mir sofort wie die beste Version vor, die ich je gehört hatte.

Die Single war nur ein kleiner Erfolg in der Los Angeles-Region, und weil Richard Geld für die Heirat mit Dorothy brauchte, nahm die Tragödie ihren Lauf: für 50$ warf er alle Rechte aus dem Fenster. Der Ruf von „Louie Louie“ verbreitete sich unter den Nightclub-Bands, ehe die Beat-Version der Kingsmen 1963 dermaßen einschlug, dass sogar das FBI alarmiert wurde. Von besorgten Eltern, die ihre Teens davon gefährdet glaubten. Im Namen von „ITOM“ (Interstate Transportation of Obscene Material) wurde der Text zwei Jahre untersucht, auch bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Berry und einige Kingsmen wurden befragt. Offizielles Ergebnis: der Song sei „unverständlich bei jeder Geschwindigkeit“; man kann sich den ganzen Ordner bei Louielouie.net bestellen. Positiver Effekt: der Spezialeinsatz wurde von Radioboykotten begleitet, was Louie bekannt, berüchtigt, gefährlich machte. Aus dem Hit wurde ein Superhit, gefolgt von hunderten Covers.

Richard Berry, „one of the great underdogs in the American music story“, konnte erst am Ende seines Lebens ein wenig davon profitierten. Aus dem Berg von Einspielungen sei auf die außergewöhnliche der 39 Clocks verwiesen, die sozusagen den FBI-Einsatz in den Partyoldie wieder einbauten und, vom Ballermann der Neuen Deutschen Welle umzingelt, ein düster hämmerndes „Psychotic Louie Louie“ schufen.



EINE BOTSCHAFT AUS

der Hölle würde man das in einem romantischen Anfall nennen… Im Studio von Klaus Walter hatten wir an einem Endeseptemberabend ein paar Stunden lang eine Sendung zu „Rock’n’Roll Fever“ für Byte.fm aufgenommen. Gegen Ende unterhielten wir uns über den viel zu frühen Tod des geschätzten Kollegen Martin Büsser. Ein paar Tage vorher hatte es ihn erwischt; Klaus Walter hatte einen Nachruf für die junge Welt geschrieben.

Dann wählte ich den letzten Song aus, „Psychotic Louie Louie“ von den 39 Clocks, womit sie die einzige deutsche Band in der Sendung waren; das „Louie Louie“-Original von Richard Berry erhält als einer der größten Songs aller Zeiten im Buch etwas Raum.

Wir hatten die Sendung live aufgenommen, und als der Song beendet war, war auch die Aufnahme beendet. Klaus Walter speicherte ab, klickte dann auf seinen Posteingang und sagte eine Sekunde später: „Rüdiger Klose ist gestorben.“ Der oft für das Duo 39 Clocks Schlagzeug gespielt hatte. Auch er viel zu jung gestorben, weit vor einer Rente.

Später im Hotel, während ich im TV total ratlos beobachtete, wie gelassen sich Fatih Akin mit dieser Thea Dorn durch die Stadtlandschaft bewegte – warum macht’n der das mit?, fragte mich, und was erzählt’n die eigentlich die ganze Zeit? – hielt ich laut (obwohl ich allein war), betrunken von den Todesmeldungen – klingelt jetzt gleich das Scheißtelefon?, fragte ich mich – einen Sermon gegen die Ungerechtigkeit des Lebens.

Das Video auf Youtube.  „From Hell“ eingeben. Die beste Tonqualität hat’s natürlich nicht….



ROCK’N’ROLL FEVER

Der Band „Rock’n’Roll Fever“ mit Gemälden und Zeichnungen von Guido Sieber und Texten von mir ist ab jetzt im Handel. Edel Verlag, Caricatura Museum Edition. 240 Seiten, 348 Abbildungen, 39.90

Die Ausstellung bis Ende Januar 2011 im Caricatura Museum Frankfurt, danach in Kassel. Mehr dazu bei caricatura-museum.de und atelier-sieber.de

Erste Pressestimmen: „Kein Rocklexikon, sondern ein Buch voller Geschichten… das geht wunderbar zusammen“ (Klaus Walter). „Drastisch, fiebrig, übergenau“ (Ambros Waibel/taz).  „Zwar hat jeder schon einmal  vom großen Rock’n’Roll-Schwindel gehört, selten aber ist er von Gospel bis Prince so plakativ in Szene gesetzt worden“ (FAZ). „…enzyklopädisches Text-Bild-Kompendium aus radikal subjektiver Sicht“ (Welt).  „… mehr als eine ziemlich komische Seite“ (Frankfurter Rundschau). „****“ (von 5, Musikexpress). „Tolles Buch“ (Christos Davidopoulos/Optimal Records München).

Und nach 25 Jahren im Buchstabensteinbruch bin ich endlich erstmals hier: „Schrecklich böse, entlarvend…“ (Bild).

Als Nachtrag zu den John Lennon-Feiern dieser Textauszug: „YOKO ONO (Abb. 253) Viele werfen ihr vor, die Beatles getrennt zu haben – warum wirft niemand diversen Stones-Frauen vor, dass sie nicht die Eier hatten, die Stones zu trennen?“



LOVE PARADE

Die aktuellen Pläne für die Love Parade 2011 in Frankfurt auf  Titanic-magazin.de, Startseite unten, ein Video-Breaking News-Bericht von Oliver Maria Schmitt.



ICH WÜSSTE NICHT

was eine schönere Kulturmeldung in der letzten Zeit gewesen wäre: Wawerzinek hat abgeräumt. Nur, damit das klar ist, es gewinnen dann doch nicht immer nur die literarischen Penner oder Kinder. Und so ist der lesenswerte Kommentar von Wawerzinek in der Jungen Welt von danach. Aloha und Hallelujeah.



CATWALK SMALLTALK III

„Rotwein-Cola-Mixgetränk fertig in Flaschen?!“

„In Hamburg. Hat Ahne erzählt. War in Hamburg.“

„Und am Etikett steht Kalte Muschi?!“

„Weiß nicht genau. War betrunken. Wahrscheinlich sagen die das nur so.“

„Du kannst ne Halbe Kalte Muschi bestellen?!“

„Pass auf, is rot.“

„Isses doch immer.“



DIE SCHÖNSTE MAIL

seit langem: „Sie sind jetzt Formel I Fahrer!“ Sehr gut, ich hasse dieses Formel-I-Zeug und werde hinter mir nur verbrannten Asphalt lassen.

Und der schönste Sportfilm seit langem: Keep Surfing. Ach was, Sportfilm…

Und wahrscheinlich der schönste Präsident seit langem. Aber der Volksmund sagt bekanntlich: Der nächste Präsident ist immer der schwerste!



DER ISRAELISCHE MILITÄREINSATZ

gegen den Gaza-Schiffskonvoi ist nur zu diskutieren – (was bekanntlich nicht mit „gut heißen“ identisch ist) – unter der Berücksichtigung, dass „das Angebot ausgeschlagen wurde, die Hilfslieferungen im israelischen Hafen von Aschdod löschen und dann unter Aufsicht nach Gaza bringen zu lassen“. Wie der israelische Botschafter laut Süddeutsche Zeitung erklärte.

Und außerdem erwähnte: „Nie habe ich von den (deutschen) linken Abgeordneten ein Wort über die 8000 Raketen gehört, die von Gaza auf Israel abgefeuert wurden.“

Vielleicht weil sie auf dem falschen Dampfer sind, wenn sie glauben, dass sie irgendwie irgendwo links sind?



CATWALK SMALLTALK II

„Er ist gegangen. Der Koch.“

„Aber nicht richtig. Er geht immer noch. Der Koch geht in die Küche und holt sich einen Brei.“

„Jetzt ist er auch gegangen, der Onkel Roland. War die Sprache meiner Mutter. Hat sogar Ausländern die Hand gegeben, ach ja.“

„Also ist er nicht gegangen.“

„Nein. Nur von a nach b. Also weiter auf den Sack.“

„Ein Sack geht, ein Sack kommt.“

„Kommst du noch mit?“

„Wenn´s geht.“



GROSSER DANK IM KRANKEN HAUS

ist der Titel einer neuen Erzählung, die am Montag, 24.5., um 10.03h auf SWR2-Radio gesendet wird. Ein Abenteuer, das ich, mal wieder, nicht erfinden musste:

Ein Schriftsteller liegt im Krankenhaus, hat einen Tritt an den Kopf bekommen. Sein Gedächtnis ist beschädigt, und ihn quält die Frage, wieviel er in seinen Büchern geklaut hat. Alles? Nicht genug? „Großer Dank an Kathy Acker“  (oder Frank Schätzing etc.), lautet sein Mantra. Zugleich steigert er sich in eine paranoide Wut, er glaubt, ausgerechnet an ihm werde man ein Exempel statuieren, ihn vor Gericht zerren. Sogar die dafür eigentlich bestens geeignete Krankenschwester kann ihn nicht ablenken…