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SCHLECHTE FILME GUT ERKLÄRT

Endlich mal eine gute Definition für schlechten Film von einem ausgewiesenen Spezialisten: <„Es war klassisch, wie man es sich in einem schlechten Film vorstellt“, sagte ein LKA-Sprecher.>

„Wie die Täter die Alarmsysteme ausgeschaltet haben, ist noch unklar … (bzw.) … In dem regionalen Knotenpunkt hatten Unbekannte in derselben Nacht mehrere Glasfaserkabel durchtrennt. Die Folge: 13.000 Haushalte und Firmen in der Region hatten kein Internet und kein Telefon mehr, anscheinend war damit auch die Alarmverbindung des Museums zur Polizei gekappt.“ Gute Idee: „Genau das will das Bayerische Landeskriminalamt jetzt überprüfen.“

https://www.br.de/nachrichten/bayern/millionenschwerer-goldschatz-aus-museum-geklaut



VERDREHT (16)

Geschockt und gebannt starrte ich heute auf das Buch im Schaufenster des auf Schundliteratur spezialisierten 2nd-Hand-Ladens:

Der Dichter und sein Henker.

Der beste Titel seit hundert Jahren! Oder mindestens seit Boris Vian. Das Ding muss ich haben. Es ist 17:53. Ein Mann muss gut in der Zeit sein, an jedem und auch an einem besonderen Tag … Bin ich. Dennoch, die verdammte Tür schon geschlossen. Schundliteraturhändler, auch ihr seid Schweine! Ich starre wieder durchs Fenster. Das nicht geputzt ist, logisch, das habe ich nicht erfunden. Ich werde morgen wiederkommen. Samstags geöffnet bis 13:00. Wenn ihr mich wieder übers Ohr haut mit der Zeit, die bekanntlich keineswegs relativ ist, kriegt euer Schaufenster was aufs Ohr. Und damit meine ich nicht, dass ich darauf spucken werde.



KRISTOF SCHREUF DER FÄNGER IM ROCKEN

„Ein Nachruf folgt“ hatte sein Freund Christof Meueler am Ende seines ersten Nachrufs geschrieben, und hier ist er, von seinem langjährigen Redakteur, diesmal mit dem Ende: „Und niemand wird mich mehr anrufen und sagen: »Hallo Christof, hier ist auch Kristof.« Verdammt. Ich habe mich darüber jedes Mal sehr gefreut.“

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1168553.kristof-schreuf-faenger-im-rocken

Kristof Schreuf: Fänger im Rocken (nd-aktuell.de)1963-2022

Foto: Conny Lösch



RADIO TATORT: ABENDLAND UND UNTERGANG (2)

Heute live auf Bayern2 20:05 der vierte und letzte Teil meiner BR-Radio Tatort-Serie, was sollte denn nach „Abendland und Untergang“ noch kommen! – Links dazu unten. – Der bekannte Kriminologe Friedrich Ani meinte in der SZ, damit könnte man den Mittwochabend rumkriegen: „Die Regie lag wie immer in den Händen und Ohren von Ulrich Lampen, einem Urgestein des anspruchsvollen Hörspiels. „Abendland und Untergang“ heißt das Stück, in den Hauptrollen ein Meister und eine Meisterin ihrer Gewerke: Bibiana Beglau und Johannes Silberschneider. Die Geschichte dreht sich um eine AfD-Politikerin, die heimlich mit einer Frau… Selberhören macht schön!“ 

Zu den phantastischen Kompositionen von Das Hobos agieren in der besonders schönen Besetzung auch Viola von der Burg, Caro Matzko, Caroline Ebner, Mira Huber, Lisa Bitter, Thomas Loibl, Vinzent zur Linden, und die very special guests Barbara de Koy und TV-Tatort-Kick Nadeshda Brennicke.

Alle Sendetermine : 16.11.2022 20:05 im Bayern 2 – 16.11.2022 21:00 im Hessischer Rundfunk 2 – 18.11.2022 19:00 im rbbKultur – 18.11.2022 19:04 im WDR 3 -19.11.2022 17:04 im WDR 5 – 19.11.2022 19:00 im SWR Kultur 2 – 20.11.2022 14:00 im rbbKultur – 20.11.2022 17:04 im SR 2 KulturRadio – 20.11.2022 18:05 im Bremen Zwei – 20.11.2022 19:03 im NDR Kultur – 20.11.2022 21:00 im SWR4 Baden-Württemberg – 21.11.2022 21:05 im Bremen Zwei – 21.11.2022 22:00 im MDR KULTUR

Schon jetzt: https://www.ardaudiothek.de/episode/ard-radio-tatort/abendland-und-untergang-oder-morddrohungen-gegen-muenchner-politikerin/ard/12086273/

Ist möglicherweise ein Cartoon c by ARD-RadioTatort



PEN-BERLIN : DER FALL RUSHDIE

Ist möglicherweise ein Bild von 1 Person und Text „Angriff auf die Freiheit der Kunst Der Fall Rushdie Daniel Kehlmann Margit Ketterle Ralf Nestmeyr Najen Wali Moderation Nina George 19.00 I Online 17.11 Anmeldung: bit.ly/PENBerlinRushdie F FRIEDRICH NAUMANN STIFTUNG Für die Freiheit. pen“



KRISTOF SCHREUF UND DIE PRINTMEDIEN

Ein paar Notizen dazu, weil wir uns wenige Tage vor seinem Tod am 9.11. auch darüber unterhalten haben. Er war ja seit einigen Jahren als Feuilletonschreiber wahrscheinlich bekannter als der Sänger und Rocker, dessen bahnbrechende Band Kolossale Jugend über 30 Jahre, die weniger bekannte Nachfolgeband Brüllen 25 und sein einzigartiges Soloalbum Bourgeois With Guitar über 10 zurückliegen.

Der erste Nachruf war in der jungen Welt erschienen, über die wir an diesem letzten Abend tatsächlich diskutierten, für die Kristof und auch ich viele Jahre geschrieben haben. Immer stark verbunden mit der Feuilleton-Redaktion, früher Christof Meueler und Kristofs Frau Conny Lösch, heute Peter Merg. Eine Menge Diskussionsstoff hatten wir allerdings wegen der vom Politik-Teil dominierten Israel-Haltung des Blatts, die wir sozusagen für mindestens nicht ganz koscher hielten, und Kristof hatte in den letzten Jahren nicht mehr so viele Artikel wie früher abgeliefert, während ich mich ganz verabschiedet hatte … Schon seltsam, als hätten wir an diesem letzten gemeinsamen Abend, „was ich noch zu sagen hätte…“, mal über die so gut wie überall zu beobachtenden Konflikte zwischen Politik- und Feulleton-Redaktionen diskutieren müssen.

Kein Fußbreit den Israel-Feinden (oder den angeblich ein bisschen gemäßigteren BDS-Freund*innen) war ein nicht verhandelbarer Grundsatz für Kristof Schreuf, und dass er in den letzten Jahren verstärkt für Neues Deutschland schrieb, hatte außerdem den Grund, dass der langjährige und von uns sehr geschätzte junge-Welt-Feuilletonredakteur Christof Meueler diese Position beim Neuen Deutschland übernommen hatte. (Passend hier auch die Erwähnung: Autor und Journalist Markus Liske teilte auf f-book den junge-Welt-Nachruf auf Schreuf mit der Bemerkung, er teile keine jW-Artikel mehr und mache jetzt nur mal eine Ausnahme).

Seit etwa einem Jahr erschienen Schreuf-Texte auch in der Welt und oho sagen jetzt viele Linken und wohl ganz besonders die Linken, mit denen wir nichts (bzw. nichts mehr oder nicht mehr so viel) zu tun haben wollten. Soll bloß niemand auf die Idee kommen, Kristof Schreuf hätte irgendeinen Text irgendwo abgeliefert, ohne vorher zu checken, für wen er da arbeitet. Er habe, durchaus überrascht, festgestellt, erzählte Kristof, dass bei der Welt auf jeden Fall Israel-Bashing offensichtlich nicht erlaubt sei. Und außerdem sei man dort zu einem freien Autor äußerst freundlich und man rede ihm nichts drein. Dort erschien am 2.11. sein vielleicht letzter Artikel über „das Konzert des Jahres“ von Danger Dan, und der Artikel ist, wie üblich bei Kristof, viel mehr als nur so´n schnell mal weggetippter intelligenter Text.

Auch die Tageszeitung tageszeitung aka taz kann stolz darauf sein, dass Schreuf bis zuletzt eine Menge Text reingeliefert hat, und Musikredakteur Julian Weber wusste zweifellos genau, welches Schreiber-Kaliber er mit Schreuf hatte, und der Titel seines Nachrufs, „Der Text war seine Party“, trifft das exakt.  Während man ihn – noch ´ne Zeitung – bei der Jungle World vergrault habe, erzählte Kristof, durch sich häufende Diskussionen oder Ablehnungen wie ach-das-ist-doch-nicht-so-interessant oder das-kann-man-aber-doch-nicht-so-sagen, also diese nicht seltene Besserwisserei von Redakteur*innen, die davon ausgehen, sogar erfahrene Autor*innen wüssten eigentlich nicht so recht, worüber sie was schreiben oder was sie damit meinen und (to make a long story short) die damit gerne ihre Position untermauern. (Oder wie es Fußballfan Schreuf vielleicht gesagt hätte, die denken, an denen kommt niemand vorbei, außer vielleicht Messi an seinem besten Tag).

Wie auch immer, ich dachte, weil sich ja nun (fast) der ganze Zeitungswald verbeugt und nachruft, das dürfte ja wohl noch kurz gesagt werden. Auch wenn es jetzt so verdammt unwichtig ist. Ehe ich mit dem Wunsch rausgehe, bald ein Buch mit Schreuf-Texten in die Finger zu kriegen. Von seinem so umfangreichen wie unvollendeten Roman im Moment ganz zu schweigen.



KRISTOF SCHREUF UND DIE REGIERUNG

Zum Tod von Kristof Schreuf erzählt Die Regierung-SingerSongwriter Tilman Rossmy heute dies auf f-book: „Irgendwann sagte Thomas nach einer Regierungs Probe mal, da gibt’s diese Band aus Hamburg, die sind besser als wir, Kolossale Jugend heissen die. Haben wir uns dann auch direkt in seiner Wohnung angehört. Alle fuhren auf die Texte vom Sänger Kristof Schreuf ab, ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung worum es da ging. Und dann kamen irgendwie Gerüchte zu uns, dass diese super angesagte Band auf uns stand, das war das erste mal, dass wir von einer anderen Band wahrgenommen und geschätzt wurden und führte on the long run dazu, dass wir uns Richtung Hamburg orientiert haben. Als ich dann 92 nach HH gezogen bin, traf ich in meiner ersten Nacht auf dem Kiez auch Kristof zusammen mit Walding, Bernadette und jeder Menge anderer Menschen, die in Bands spielten und ich erinnere mich wie aufrichtig sich Kristof darüber freute, dass ich nun in Hamburg war. Das hat ihn nicht davon abgehalten, das nächste Regierungs Album in der Spex ziemlich zu verreissen Jeder in Hamburg respektierte Kristof sehr. Vor allem stand er auf der Bühne wie ein Rockstar, irgendwie total überraschend, weil er ja im Gespräch und seinem Schreiben eher etwas intellektuell daherkam, da war diese natürliche selbstbewusste Lässigkeit, mehr Bon Scott als Distelmeyer, ich war schwer neidisch. Wenn ich jetzt von seinem Tod höre, bin ich einfach dankbar…dass ich diese super Zeit in Hamburg erfahren durfte, hatte ganz viel mit Kristof Schreuf zu tun“ (ohne Punkt).



KRISTOF SCHREUF RIP

Ich kanns einfach nicht glauben, letzte Woche haben wir ihn in Berlin besucht, stundenlang die Welt ausdiskutiert, er war nicht krank, 59, was ich noch zu sagen hätte würde, wie er es mal beschrieb, länger als eine Zigarettenfabrik dauern, fuck this shit, ich schaue mir Platten an, die ich nicht hören kann.

Ein erster Nachruf hier von unserem Freund und nd-Redakteur Christof Meueler mit dem letzten Satz „ein Nachruf folgt“:

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1168460.kristof-schreuf-alarm-und-emphase.html



RY COODER’S NEW TRACK

Neanderthal Blues right in time:

https://www.facebook.com/rycooderofficial



NEUES VOM NEUAUSRICHTUNGSPROZESS

„Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hessen hat nach der Veröffentlichung von geheimen NSU-Berichten Strafanzeige gestellt. Die Strafanzeige sei wegen der unrechtmäßigen Weitergabe von als Verschlusssachen eingestuften Dokumenten gegen Unbekannt gestellt worden, teilte die Behörde am Montag in Wiesbaden mit. Das hessische Landeskriminalamt befasse sich nun mit den Ermittlungen.

Die Plattform „Frag den Staat“ und das „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann hatten die Dokumente veröffentlicht und ins Internet gestellt.“ Könnte man ein bisschen positiv sehen: „Die Strafanzeige des LfV richtet sich nur gegen die unrechtmäßigen Weitergabe der Dokumente und nicht gegen die Veröffentlichung.“ Wenn nur das nicht wäre: „Das Landesamt für Verfassungsschutz Hessen habe in den vergangenen Jahren einen umfassenden Neuausrichtungsprozess durchlaufen, versicherte die Behörde.“ (rnd, 31.10.)

https://www.rnd.de/politik/von-boehmermann-veroeffentlichte-nsu-akten-verfassungsschutz-stellt-strafanzeige