Alle Artikel dieses Autors

ARBEIT MACHT

viel Arbeit (sagt die bekannte Weisheit) oder macht sogar viel zuviel Arbeit, weshalb viel zu viele Deutsche nicht mehr allzuviel Arbeit haben möchten (habe ich gehört) – außer die Afd-Arbeiter*innen, denen naturgemäß die Arbeit nie zuviel ist und besonders ihr ehemaliger AfD-Sprecher arbeitet gern besonders viel.

Der Bericht vom 17.1. enthält mehr interessante Details als die Einleitung vermuten lässt: „Der langjährige Parteisprecher Lüth sprach über die Möglichkeit des Erschießens oder Vergasens von Migranten – und wurde fristlos entlassen. Mittlerweile arbeitet er wieder für mehrere AfD-Abgeordnete.“

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/afd-lueth-bundestag-100.html

Immerhin ziemlich beruhigend oder sogar verflucht positiv: „Es gibt viele AfD-Fraktionsmitglieder, die an Lüths schleichender Rückkehr Anstoß nehmen, für die der ehemalige Pressesprecher ein rotes Tuch ist.“



WENIGSTENS IHR NAME

Manchmal kann man grad nicht mehr tun, als eine Petition zu unterzeichnen, also bitte:
https://www.change.org/jede_stunde_zaehlt
„Wir fordern die politische, wirtschaftliche und diplomatische Isolation des Regimes und rufen die Bundesregierung zu sofortigem Handeln auf: 

  1. Unverzügliche Ausweisung des iranischen Botschafters aus Deutschland und Rückruf des deutschen Botschafters aus Teheran – noch heute. Dies ist ein wichtiges Signal an die Menschen im Iran. Ein Regime, das permanent Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung begeht, darf nicht weiter diplomatisch normal behandelt werden. 
  2. Sofortiges nationales Betätigungsverbot der Revolutionsgarden in Deutschland – noch vor der EU-Terrorlistung. Die Revolutionsgarden sind das zentrale Repressionsinstrument des Regimes. Ihre Aktivitäten in Deutschland müssen sofort verboten und ihre EU-Terrorlistung vorangetrieben werden.
  3. Aufnahme politischer Gespräche mit demokratischen, säkularen iranischen Menschenrechtsorganisationen und Oppositionellen. Deutschland muss klar zeigen, wen es unterstützt: Die Menschen im Iran, nicht ihre Unterdrücker und Henker.“


ALVARO REST IN PEACE

Am 8. Januar ist der chilenische Singer-Songwriter Alvaro mit 82 Jahren in Konstanz verstorben, wo er seit 1979 lebte. „Der Musiker Álvaro floh vor dem Pinochet-Regime und spielte Mitte 1970 mit Joe Strummer bei der Protopunkband The 101ers. Nachruf auf einen Pionier“ von Christian Zschammer: 

https://taz.de/Chilenischer-Musiker-Alvaro-ist-tot/!6145188/

Ein paar Stunden war Alvaro Pena-Rojas mal bei uns, als er für ein Konzert in der Stadt war, begleitet von meinen Freunden, den The Blech-Musikern Hubl Greiner und Jens-Peter Volk. (In meiner Erinnerung das immer wieder faszinierende Erlebnis, dass kleine Kinder innerhalb einer Minute manchen Menschen total zugetan sind, und unsere Tochter hatte dann gleich einen Alvaro-Song auf ihrer Lieblingscassette). So kam´s, dass Alvaro mit den beiden dann den Song „Senor Johnny Cash“ für das Album A Boy Named Sue – Johnny Cash Revisited einspielte, das ich 2002 bei Trikont compilierte. Als echter Freigeist und radikaler Independent-Musiker (als der Begriff noch eine Bedeutung hatte) coverte er keinen Song, sondern schrieb einen, in dem er Cash aufforderte, bei seinem nächsten Konzert in San Quentin die Latinos nicht zu vergessen.

Bassist JP-Volk war bis zuletzt sein musikalischer Partner. In den letzten Jahren hatten sie drei Alben mit Neueinspielungen geplant, das erste ist kürzlich erschienen, das zweite eingespielt. Hier die Homepage mit Soundbeispielen und vielen Dokumenten, u.a. einem Dokfilm von Christian Zschammer:

Startseite



ICH WÜSSTE NICHT WAS

man sonst dazu sagen könnte: »Wenn du vorgibst, für Menschenrechte einzutreten, es aber nicht über dich bringst, Solidarität mit Menschen zu zeigen, die im Iran für ihre Freiheit kämpfen, dann hast du dich selbst entlarvt.« (J.K. Rowling)

https://www.juedische-allgemeine.de/kultur



DER LETZTE MACHT DAS LICHT

aus“ ist der traditionelle Rückblick von Karl Bruckmaier auf die Pop-Verstorbenen des vergangenen Jahres. Hier live 140 Minuten aus Münchens Optimal Plattenladen. Immer spannend, wen es erwischt hat, wessen Tod man nicht mitbekommen hat, welche Bemerkungen Bruckmaier ins Grab wirft und wer eine Einspielung bekommt. „Der Abend ist Alfred Hilsberg gewidmet.“

„Der Letzte macht das Licht aus – ein Leichentrunk für die Toten des Pop-Jahrgangs 2025 von Karl Bruckmaier: Seit Jahren hat BR-Radio-Persona Karl Bruckmaier zum Jahreswechsel die verblichenen Stars und One-Hit-Wonders eines Jahrgangs nochmals aus ihren Grüften geholt, auf dass sie noch ein letztes Mal einen Höllenlärm vollführen. Doch nun ist Bruckmaier dank Verrentung selbst schon mit einem Sargdeckel in der Hand gesichtet worden und vorbei sind die knappen, aber enzyklopädischen zwei Stunden Verwesungs-Pop im Radio. Dafür kann man dem grimmen Pop-Reaper nun leibhaftig begegnen – zwei Stunden für die notorisch Überlebenden. Mit Plattenspieler ausgestattet, wird live und vor geneigtem Publikum die Tradition der akustischen Rundumbestattung weitergeführt… Seien Sie mit dabei – bevor es zu spät ist!“



ALLEN

Abonnent*innen unseres Blocks wünschen wir ein besseres gutes neues Jahr und das auf allen privaten, politischen, beruflichen, medizinischen und sonstigen Ebenen.



WAS GIBT’S DA NOCH ZU LACHEN?

ist das Thema des Feuilletons der Silvester-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und Chefredakteurin Julia Encke hat einen Haufen Texte dafür eingesammelt – mein Beitrag heißt „Boykott des Boykotts“.

Am Anfang gestehe ich, dass ich schon zu lange für die Textabteilung Paranoia&Pessimismus arbeite, um jetzt für die Gute-Laune-Abteilung tolle Stücke liefern zu können – aber natürlich habe ich mich angestrengt und echt was zum Totlachen geschrieben. Freut mich auch sehr, dass das neben dem Text der geschätzten Lea Streisand steht (die z.B. die Anthologie „Sind Antisemitisten anwesend?“ mit herausgegeben hat, wo ich auch was zum Totlachen beigetragen habe; wahrscheinlich war in meinen Buchstabensuppen noch nie mehr drin, aber so what).

Ab heute im Handel. Ab morgen auch auf faz.net

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/worueber-kuenstler-in-krisen-und-kriegen-noch-lachen-accg-200382554.html



DASS BAYERN IMMER AN ALLEM

schuld sein soll, ist nur noch zum Kotzen, und wer sowas behauptet, hat dann eben in unserem Land auch nichts verloren…

„Deutschland ohne Bayern wäre restlos pleite und hilflos“

(Markus Söder, SZ 14.12.)



AUSGEZEICHNET GANZ AUSGEZEICHNET

Zwei großartige Auszeichnungen für zwei großartige Verleger, denen ich so extrem verbunden bin, dass ich mich selber ganz ausgezeichnet fühle – es ist mehr als nur echte Arbeit, die uns verbindet … bei Klaus Bittermanns Edition Tiamat waren es u.a. meine Bücher Sterne und Straßen und The Boy Named Sue, bei Manfred Rothenbergers Starfruit Publikations meine gesammelten Gedichte Ich will doch immer nur kriegen was ich haben will – Hallelujah und hoch die Tassen!:

„Der Vorstand der in Leipzig ansässigen Kurt Wolff Stiftung freut sich, bekanntgeben zu dürfen: Die Edition Tiamat, Berlin erhält den Kurt-Wolff-Preis 2026, der Verlag Starfruit Publications wird mit dem Kurt-Wolff-Förderpreis 2026 ausgezeichnet. Den Verlegern Klaus Bittermann und Manfred Rothenberger gratulieren wir herzlich! Die Preise werden am 20. März 2026 im Rahmen der Leipziger Buchmesse vergeben.“

„Den Kurt-Wolff-Preis 2026 erhält die Edition Tiamat aus Berlin. Deren Verleger Klaus Bittermann bereichert seit mehr als 45 Jahren die publizistische Landschaft mit politischen Essays und Büchern zu Geschichte und Zeitgeschehen, mit einem Schwerpunkt auf den Holocaust, Antisemitismus und Nationalismus. Belletristik, in Übersetzungen vor allem aus dem Englischen und Französischen, satirische Texte und Reportagen runden das Programm. Dank Klaus Bittermanns Engagement ergänzen seine Publikationen wichtige Stimmen im Meinungsstreit mit Unbequemem, Gesellschaftskritischem, historisch wie aktuell Relevantem, Humorvollem sowie linke Diskurse Erweiterndem. Der Kurt-Wolff-Preis ist mit 35.000 Euro dotiert.

Der Kurt-Wolff-Förderpreis 2026 wird dem Verlag Starfruit Publications aus Fürth verliehen. Seit 2009 publiziert der Verleger Manfred Rothenberger ein Programm, das spartenübergreifende Kollaborationen fördert, Lyrik wie Sachbücher, Biografien und Kunstbücher zeigt, das immer wieder überrascht, vermeintlich Abseitiges ins Licht hebt und dem es gelingt, literarisch interessante sowie politisch relevante Bücher in herausragender Gestaltung zu veröffentlichen. Der Förderpreis ist mit 15.000 Euro dotiert.“



THE BOOTLEG HISTORY

Augsburg: Zwei Abende Ausstellung und Programm zur Geschichte des Musikclubs Bootleg. Der damals in der Punkrock/Underground-Rock´n´Roll-Bundesliga spielte und vom maßgeblichen Magazin Spex als Nr.1-Club des Südens ausgezeichnet wurde. Die Geschichte war kurz, aber heftig: Eröffnet im Dezember 87, wurde das Bootleg schon im Mai 89 nach den intensiven Bemühungen von den gestörten Anwohnertruppen abgeschlossen. Nachdem sie über 100 Konzerte überlebt hatten, von Pussy Galore mit Jon Spencer, die angeblich den Lautstärkerekord aufstellten, über Screaming Trees bis Mo Tucker Band. Komplett nachzusehen auf den ausgestellten Plakaten, Flyern, Fotos und Live-Mitschnitten.

Bootleg: hat auch in mein Leben massiv eingegriffen. Wir kamen aus München zu einigen Konzerten, weil dort nichts ähnlich Gutes geboten war, und dann wurde ich zu einer Lesung aus meinem ersten Buch eingeladen, great, und wir lernten gute Leute kennen, und als wir bald darauf von den Münchner Mietpreisen endgültig die Nase voll hatten, zogen wir also um nach Augsburg, und Bootleg-Betreiber Peter Bommas, außerdem Herausgeber des Magazins Trash, wurde auch noch Verleger einiger meiner Bücher. Womit eine lange und vielverzweigte Freundschaftsgeschichte nur angedeutet ist…

Zusatzprogramm in der Transformatorenhalle 117 der Hutfabrik Lembert jeweils ab 19 Uhr:

12.12. Im Gespräch Peter Bommas und Pulle (Bootleg-Betreiber), Roderich Fabian (ex-BR-Zündfunk), Künstlerinnen Marie und Peter Lochmüller, Dolf Hermannstädter (Trust-Magazin), Bernd Spring (Isidor-Fanzine) + ein originalgetreues DJ-Set von Cpt. James T Maschek

13.12. Konzert mit denen, die schon damals dabei waren: The Creeping Candies & The Truffauts + DJ Thomas Patsch