SPITZENSATZ (110)
Von Franz Dobler | 24. Mai 2026 | Kategorie: Unterhaltung | Kommentare deaktiviert für SPITZENSATZ (110)Ich jedenfalls tausche den ganzen Suhrkamp-Laden gegen
die gesammelten Columbia Records.
Klaus Theweleit, 2011
Ich jedenfalls tausche den ganzen Suhrkamp-Laden gegen
die gesammelten Columbia Records.
Klaus Theweleit, 2011
ist das Kulturmagazin KAPUT, hier ein ausführlicher Artikel (mit Schwerpunkt Musikbusiness) über die beliebte antisemitische Boykott-Organisation BDS:
Ein Lied soll keine Brücke sein – Über Kulturboykotte und die BDS-Kampagne
dieses sehr alte Symbol für den Sensenmann, scheint mir am Todestag von Freund Wiglaf Droste (+2019) angebracht zu sein. „Freund Hein, umarme mich!“ titelte er im Februar 1991 seinen weniger bekannten Begleittext zur Anthologie Top of the Flops der Band Family*5 um Ex-Fehlfarben Sänger-Texter Hein.
Nach einem Seitenhieb gegen „lahmarschige, gestusverliebte Linke“, die bei 68 und Ton Steine Scherben stehngeblieben sind, gehts so weiter: „Auch der willige Altachtundsiebziger-Fan, der nicht ungern noch ein paar Jahre Kernsätze aus der guten alten Fehlfarben-Zeit – Es geht voran und dergleichen – nachgebrüllt hätte, sieht sich von Peter Heins Texten düpiert: Der Sänger der Tanzkampfkapelle Family*5 versieht seine Schlachtrufe mit genau dem lästigen Beigeschmack von Unglauben und Defätismus, der die Klientel nicht bauchpinselt (…) Peter Heins Weigerung sich die Welt schön zu labern, weil es trotz großmäuliger Ankündigung nun doch nicht geklappt hat mit der Rebellion und man aus der Nummer ja nun irgendwie und möglichst ungeschoren wieder raus muß, sind nicht der Stoff, aus dem junge Opportunisten sich ein prima Schöner-Wohnen-Leben designen können…“
Das ist auch eine interessante, weil so unsentimentale, Fußnote übrigens zu den beiden gewichtigen 50-Jahre-Punk-Büchern ausm Ventil Verlag (über die der Musikredaktor unseres Blocks als Beteiligter noch was schreiben wird): So gibt es im Band „Angriff aufs Schlaraffenland – Ein Deutschpunk-Mixtape“ einige Beiträge über Fehlfarben und einen über Family*5, allerdings vom großartigen Kolja Podkowik (dessen Antilopen Gang ebenfalls beschrieben ist).
Und übrigens hätte Wiglaf Droste postum, wie schon zu Lebzeiten absolut zurecht mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet werden können, wo ihn doch sogar Helmut Kohl mal bekommen hat.
habe ich mir einmal dieses Gedicht ausgedacht, das dann in meine Bücher Ich fühlte mich stark wie die Braut im Rosa Luxemburg T-Shirt (Songdog 2009) und Ich will doch immer nur kriegen was ich haben will reingekommen ist (Starfruit Publications 2020) und es kann sein, dass ich es schon hier im Blockhaus gebracht habe, weil mir zu diesem Feierntag halt nichts anderes mehr einfällt:
*** VATERTAG IM SPORTHEIM ***
Es war nichts los
an diesem Sonntagnachmittag im Sportheim
die Mannschaft kämpfte auswärts
um den Aufstieg in die B-Klasse.
Nur zwei Männer an einem Tisch
in einer müden Stimmung
und nur weil einer sagte
dass früher mehr los war am Vatertag
bekam ich mit, es war Vatertag
und war genauso betroffen.
Ich weiß auch nicht, sagte der Ältere
soll ich dieses blöde Haus renovieren
oder soll ich´s abreißen?
Ich kann mich einfach nicht entscheiden
so geht das seit vier Wochen
es ist zum Wahnsinnigwerden
aber mit dem Alter wirst du immer schwuler
da kannst du nichts machen.
Die junge Bedienung ging durch den Raum
in einem engen Oberteil mit Tigermuster
auf dem geschrieben stand: Miss Wet T-Shirt!
Das sah glaubwürdig aus und
alle Augen stimmten für sie.
Was meinst du denn damit?
fragte der Jüngere und lachte unsicher
soll ich vielleicht immer schwuler werden!?
Sollen nicht, aber sehen
wirst du es schon noch, sagte der Ältere
ich lasse mir immer mehr sagen
der sagt was und der sagt was, der eine sagt
das Haus renovieren!, der andere sagt abreißen!
als ich so alt war wie du mit 25
habe ich mir doch von keinem was sagen lassen.
Ich zahlte und ging und war traurig gestimmt
weil es früher am Vatertag besser war
als alle schnell so besoffen waren
dass keiner mehr wusste
wo ist hinten, was ist vorn.
Reiß dein scheiß Haus ab
sagte ich im Rausgehen zu ihm
aber mach´s mit einer Ladung Dynamit!
so heißt es noch
du bist schwul.
heißt ein Roman von Anthony Burgess – fürs neue deutschland habe ich was über einen viel mehr defekten Dr. getextet, der was zum „8. Mai“ getextet hat, das man nicht glauben kann, aber muss:
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1199648.dominik-kaufner-mai-irgendwas-mit-sprache.html
Manchmal muss es eine lange Wanderung sein. Abenteuer. Keine Planung. Keine leichten Wege. Wenn die Beine streiken, muss der Kopf weitergehn (bzw weiter gehn). Mit dem Anfang erkannte ich schon das Ziel, aber nicht den Weg. Wusste nur, wird lang sein. Und keinen Heli rufen, wenns hart wird. Ich startete bei
1 ISO 68: Here/There Played By – Hausmusik 2003 LP (A/B) – hatte ich am Tag der Bestattungsfeier für Nils Koppruch in Hamburg gekauft und mit Schlagzeug Florian Zimmer und Calexico als Kollaboration auf Track 1 gehts weiter zu
2 FRED IS DEAD: adhésif – Hausmusik 1998 EP (a/b) – womit ich das Ziel erkannte und mit dem ursprünglichen Schlagzeuger der Band Thomas Ganshorn (der mich bei einem gemeinsamen Auftritt in Wien mal mit einem Spontaneinstieg überraschte, weil er war ein zurückhaltender Mensch), hier jedoch am MCP 2000, gehts zu seiner einzigen Soloplatte
3 TODAY: Secrets – Hausmusik 2000 EP (one/two) – ist vielleicht erst nach seinem Suicide erschienen, ich weiß nicht mehr, und weil es eine echte (i.G. zu vielen anderen Sachen, die das nur behaupten) Fortsetzung von Krautrock ist, gehe ich weiter mit
4 TO ROCOCO ROT: s/t – Galerie Weisser Elefant 1996 LP (bag side/mouse side) – die beiden Seiten so genannt, weil auf der einen eine Tasche (mit roten Kreuz) gepictured ist und auf der anderen eine Maus, aber allein der Sound, genauer gesagt sowas wie die Grundeinstellung, trieb mich zu
5 IPPIO PAYO + GENE LABO: nobody answers questions – Geenger Rec/Echokammer 2021 EP (A/B) – Josip Pavlov mit seinem Ippio Payo Octett war mein Nr.1-Konzert letztes Jahr und den Titel von Track B2 hatte ich jetzt aufm Weg nicht aufm Schirm gehabt, „End of the road doesn´t mean end of the journey“ und so gings also fröhlich weiter würde ich als romantischer Labersack formulieren, nämlich mit dem Posaunisten Mathias Götz, der in München bei so ziemlich allen gern gefragt ist, die was aufm Kasten haben wie z.B. A Million Mercies oder Notwist, aber sein eigenes Ding ist
6 LE MILLIPEDE: Legs and Birds – Dyana Rec/Gutfeeling/Hausmusik 2022 DoLP (A) – die Seiten C/D mit Vogelstimmen, weil er auch ein versierter Hobbyornithologe ist, der mir sozusagen schon zu meinem Ziel vorausfliegt, aber ich bin noch nicht geschafft, sondern unterwegs mit
7 FARHOT: Kabul Fire Vol. 2 – Kabul Fire Rec 2020 LP (A) – war ein Tipp im Optimal Newsletter, erst danach entdeckte ich, dass er Haftbefehl u.ä. produziert hat, aber es ist sein eigener Stoff, der mich zum Fan gemacht hat, was ich schon lange bin von den 39Clocks, die nach Auflösung nen weiten Weg gingen wie etwa mit
8 THE COCOON: While the Recording Engineer Sleeps – Staubgold 2015 (Original Wilhelm Reich Schallspeicher 1989) LP (Two) – die Clocks in der Generationenverbindung mit den Jazzern Gunter Hampel und Thomas Keyserling, weniger eine neue Definition von Jazzrock als GarageJazz oder wie auch immer und in der Ignorierung von Regeln passend und nicht zufällig aufm selben Label
9 KAMMERFLIMMER KOLLEKTIEF: Désarroi – Staubgold 2015 LP (A/B) – ihre ersten Werke erschienen Ende 90er bei Payola im Hausmusik-Netzwerk, aber es hat ewig gedauert bis ich Gitarrist/Produzent Thomas Weber endlich mal kennenlernte über unseren Verleger Manfred Rothenberger von Starfruit Pbulications, mit dem Thomas das Buch „Nico“ hrsg. hat, aber dann hatten wir gleich auch Pläne, die noch nicht etc. und dann sah ich das Ziel mit
10 LE MILLIPEDE: Radical Hope – Radical Hope Rec 2026 LP (1-8) – Mathias Götz, siehe Punkte 5 und 6, jetzt auf seinem eigenen Label und (damit springe ich vom Vinylweg runter und lande wie vermutet im Ziel) als Gast bei
11 A MILLION MERCIES: Positive Vibes – Hausmusik 2026 Videotrack/Youtube oder Bandcamp – neu und lang von Wolfgang Petters, Mastermind von Hausmusik-Label und Hauptsänger/Gitarrist der zentralen Band, die nach einigen Jahren Pause wieder einzelne Tracks veröffentlicht hat und damit sehe ich im Rückspiegel einen sogar 30 Jahre langen Weg mit
12 FRED IS DEAD: Thief – Hausmusik 2026 Videotrack/Youtube – performed by Katja Raine: music/lyrics, Baritone Guitar, Vocals + Marion Epp: Bass, Omnichord, (aka Jimmy Draht/video) + Flow Zimmer: Drums, Philicorda + Wolfgang Petters: Guitars + Paul Niehaus: Pedal Steel Guitar. Und damit bin ich mehr munter als strapaziert und not dead und weiterhin wie ihre erste LP 93 hieß (Fred is dead) „…or just in preparation“ mit dem guten Rat „don´t take your guns in town“ in Landsberg gesungen von (siehe 2/3) Thomas Ganshorn.
(Mit der Notiz am Tag danach: alles besser ausführen… handschriftlich hinzugefügt jetzt: faule Sau!)
bezeichnet und beschreibt Richard Schuberth die Stadt anlässlich des Megamusikevents, inklusive der damit verbundenen Bedingungen, Äußerungen und diversen Feinheiten und nicht so bekannten bzw. nicht so leicht-flott berichtbaren Details:
(Auszüge) Der Musikwettbewerb wird von einigen Ländern boykottiert, „Aserbaidschan indes ist wieder mit dabei. Jenes Land, dessen Armee im September 2023 etwa 100.000 Armenier aus Bergkarabach, die gesamte seit Jahrtausenden dort ansässige armenische Bevölkerung, vertrieben hat. Wer die einmütige Ökumene der Israel-Boykottierer auf ihre völlige Gleichgültigkeit gegenüber dieser ethnischen Säuberung hinweist, für den hat sie einen griffigen Begriff im Ärmel: Whataboutism (…)“.
Traditionell sensationell gastfreundlich „offerieren Wiener Cafés allen Teilnehmerländern Hauptquartiere (Eurofan Café). Bloß einem Staat wollte niemand Obdach geben, als sei er schon from the river to the sea im Mittelmeer verschwunden. Einzig der beherzten Initiative von Lisa Wegenstein von Artists Against Antisemitism verdankt sich, dass sich israelische Fans im Restaurant Kantine im Museumsquartier für zwei Wochen willkommen fühlen können. Jedenfalls hat sie die Stadt der arisierten Kaffeehäuser vor einer nationalen Schande bewahrt.“
https://www.derstandard.at/story/3000000319869/anti-israel-proteste-beim-song-contest-es-ist-das-alte-haessliche-lied?
Der Artikel ist eine Ergänzung zum neuen Buch von Richard Schuberth:
https://edition-tiamat.de/books/vom-antisemitismus-der-keiner-sein-will
heißt der Dokfilm von Marcel Schreiter und M.Kruppe über den (Ost-)Berliner Dichter, Fotograf und Herausgeber der Literaturzeitung DreckSack: Premiere am Dienstag, den 5. Mai 2026 von 19 bis 22 Uhr im Kino am Markt (Markt 5, 07743 Jena) ein. Ich sage da auch paar Worte im Film, an die ich mich nicht erinnern kann, aber sie sind garantiert ziemlich viel Beifall klatschend.
Für die literaturinteressierten Leser*innen in diesem Block, die nicht immer nur Denis Scheck kucken: Die Produzenten dieser No-Budget-Produktion könnten noch etwas Förderung gebrauchen: Link zum Crowdfunding unten.
Mehr Information: „„Der DreckSack bin ich“ ist ein Film mit und über den Fotografen, Dichter und Herausgeber des „DreckSack – Lesbare Zeitschrift für Literatur“, mit Beiträgen der Autoren Franz Dobler, Johannes Jansen, Jan Off, Bert Papenfuß, Gerd Schönfeld, dem Journalisten und Fauser-Biograf Matthias Penzel, des Fotografen und Oscar-Preisträgers Michael Dressel u.v.a.m.
Anschließend wird diskutiert: Sowohl Florian Günther, als auch die beiden Produzenten des Films, Marcel Schreiter und M.Kruppe werden vor Ort sein und Rede und Antwort zu allen relevanten Fragen stehen. Wie kam es zu dem Film? Warum gerade Florian Günther und der DreckSack? etc.“
Trailer auf youtube: https://youtu.be/70Zop4IBPEk
Zum Crowdfunding: https://www.startnext.com/der-drecksack-bin-ich
Den Kollegen Maxim Biller habe ich übrigens schon vor seinem ersten Buch sehr geschätzt und daran hat sich nichts geändert. Seinen neusten Kolumnentext – ein Blick in die Verwaltungsmaschine der deutschen Literatur – stehle ich nicht von der Zeit, sondern zitiere aus seinem persönlichen f-book vom 26.4.:
DIE LINKE ist immer noch nicht zu verwechseln mit der Partei gleichen Namens und die linken Publikationen konkret und Jungle World sind weiterhin starke Posten gegen Antisemitismus und die „vollends entfesselte globale Intifada“ und den „vollkommenen Bankrott großer Teile der Linken weltweit“. Dazu die Fakten – und konkret mal wieder auch am Kiosk: