Musik

INDIEPOP & POPJOURNALISMUS TODAY

Song XX „wird mit ziemlicher Sicherheit ein Wiesn-Hit werden. Ist das nicht eh die höchste Auszeichnung für eine Münchner Band: „Wiesn-Hit“?“ (Michael Zirnstein in der Süddeutschen über Sportfreunde Stiller). [Wird schon so sein].

Der Konkurrenzkampf ist aber brutal: „KI-Song über Wal Timmy wird zum Hit – schafft er es zur Wiesn?“ (BR24 13.6.)



DIE KULTURWIRTSCHAFT WALDEN

in 86695 Blankenburg präsentiert seit einigen Jahren ein Kulturprogramm, das zum Allerbesten in der bayrischen Metropolregion Augsburg-München gehört. Und jetzt vom 26.-28.6. das Festival HOI, das nur noch unglaublich ist.

Im Style der Wirtschaft „genre – und generationenübergreifend“ mit „über 20 musikalischen Acts“ (präsentiert von BR-Zündfunk, Programm unten) und dafür gibt es „die Gaststube, den Biergarten mit Bühne und Tanzboden, eine Festivalwiese mit großer Bühne (samt dem dazugehörigen Wäldchen)“. „Park- und Zeltplatz sind kostenlos. Es gibt einen Shuttle Service vom Bahnhof Nordendorf. Fußweg vom Bahnhof 20-30 Minuten.“

Dabei sind u.a. die Krautrocklegende (der seit Faust konstant großartig unverwüstliche) Hans-Joachim Irmler, Stefanie Schrank, vom Trikont-Label Maxi Pongratz und Su Yono, der Frauenchor Witches of Westend, Joasihno, Angela Aux, G.Rag Y Los Hermanos Patchekos, Rabenbad, Rosa Anschütz&Kevin Kuhn (Die Nerven), Dr. Drexler Project.

Tickets und mehr Info: https://waldenkulturwirtschaft.de/hoi/

Freitag

Samstagneu

Sonntagneu 2



DIE REGIERUNG

ist für mich immer noch on top der German Popgroups und das seit circa 36 Jahren und es sind keine nostalgischen Gefühle, dass mich das Gesamtwerk von und mit Tilman Rossmy immer noch begleitet, aber sie tauchen dabei auf, wenn ich zum B. dran denke, dass mir ziemlich am Anfang, als ich bei einer Lesung in Hamburg über Die Regierung sprach, Christof Schreuf von Kolossale Jugend, mit dem ich das dann weiter diskutiert hatte, am nächsten Tag alle damals drei Regierungsplatten vorbeibrachte und dann kamen Band oder Rossmy auf meinen Trikont-Compilations und er spielte für das Album mit Cash-Covers einen neuen Track ein und viele Jahre später zitierte ich in einem Roman Tilmans Song „1975“ mit seinem okay & anyway gibt es wie es Tradition ist alle zweidrei Jahre eine neue Bandscheibe und es ist nie eine dabei, die meine Begeisterung kleiner machen würde… – also: ‚immer unbekannt‘ kommt bei Staatsakt am 20. Februar raus und sie wird präsentiert

8.3.26 Köln – Hängende Gärten
10.3.26 München – Import Export
11.3.26 Würzburg – Z 87
12.3.26 Wuppertal – Börse
13.3.26 Hamburg – Hafenklang
14.3.26 Berlin – Neue Zukunft


ALVARO REST IN PEACE

Am 8. Januar ist der chilenische Singer-Songwriter Alvaro mit 82 Jahren in Konstanz verstorben, wo er seit 1979 lebte. „Der Musiker Álvaro floh vor dem Pinochet-Regime und spielte Mitte 1970 mit Joe Strummer bei der Protopunkband The 101ers. Nachruf auf einen Pionier“ von Christian Zschammer: 

https://taz.de/Chilenischer-Musiker-Alvaro-ist-tot/!6145188/

Ein paar Stunden war Alvaro Pena-Rojas mal bei uns, als er für ein Konzert in der Stadt war, begleitet von meinen Freunden, den The Blech-Musikern Hubl Greiner und Jens-Peter Volk. (In meiner Erinnerung das immer wieder faszinierende Erlebnis, dass kleine Kinder innerhalb einer Minute manchen Menschen total zugetan sind, und unsere Tochter hatte dann gleich einen Alvaro-Song auf ihrer Lieblingscassette). So kam´s, dass Alvaro mit den beiden dann den Song „Senor Johnny Cash“ für das Album A Boy Named Sue – Johnny Cash Revisited einspielte, das ich 2002 bei Trikont compilierte. Als echter Freigeist und radikaler Independent-Musiker (als der Begriff noch eine Bedeutung hatte) coverte er keinen Song, sondern schrieb einen, in dem er Cash aufforderte, bei seinem nächsten Konzert in San Quentin die Latinos nicht zu vergessen.

Bassist JP-Volk war bis zuletzt sein musikalischer Partner. In den letzten Jahren hatten sie drei Alben mit Neueinspielungen geplant, das erste ist kürzlich erschienen, das zweite eingespielt. Hier die Homepage mit Soundbeispielen und vielen Dokumenten, u.a. einem Dokfilm von Christian Zschammer:

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DER LETZTE MACHT DAS LICHT

aus“ ist der traditionelle Rückblick von Karl Bruckmaier auf die Pop-Verstorbenen des vergangenen Jahres. Hier live 140 Minuten aus Münchens Optimal Plattenladen. Immer spannend, wen es erwischt hat, wessen Tod man nicht mitbekommen hat, welche Bemerkungen Bruckmaier ins Grab wirft und wer eine Einspielung bekommt. „Der Abend ist Alfred Hilsberg gewidmet.“

„Der Letzte macht das Licht aus – ein Leichentrunk für die Toten des Pop-Jahrgangs 2025 von Karl Bruckmaier: Seit Jahren hat BR-Radio-Persona Karl Bruckmaier zum Jahreswechsel die verblichenen Stars und One-Hit-Wonders eines Jahrgangs nochmals aus ihren Grüften geholt, auf dass sie noch ein letztes Mal einen Höllenlärm vollführen. Doch nun ist Bruckmaier dank Verrentung selbst schon mit einem Sargdeckel in der Hand gesichtet worden und vorbei sind die knappen, aber enzyklopädischen zwei Stunden Verwesungs-Pop im Radio. Dafür kann man dem grimmen Pop-Reaper nun leibhaftig begegnen – zwei Stunden für die notorisch Überlebenden. Mit Plattenspieler ausgestattet, wird live und vor geneigtem Publikum die Tradition der akustischen Rundumbestattung weitergeführt… Seien Sie mit dabei – bevor es zu spät ist!“



FRED IS DEAD

ist auferstanden! Obwohl Jesus nicht mitmacht! Was soll das heißen? Fred Is Dead waren seit 1991 die zentrale Band des legendären Labels Hausmusik. Nach sechs Alben und 19 Jahren in anderen Bands und Tätigkeiten sind sie jetzt mit dem neuen Track „Albatros“ zurück und die Pause hat ihnen offensichtlich sehr gut getan und es sollen weitere Tracks folgen. Falls es kein Wunder ist, dann eine gute Nachricht:

Mehr History: http://hausmusik.com/diskographie.html

 



SIE SPIELEN

nicht so oft und deshalb und sowieso ist es was Besonderes: Trikont-Band Su Yono – am 11.11. 19h30 in Münchens Bellevue di Monaco, zusammen mit Nina Savary und Astrobal:

Konzert: Astrobal, Nina Savary & Su Yono

• „Astrobal (Karaoke Kalk) das Projekt des französischen Musikers und Produzenten Emmanuel Mario, steht für fein ausbalancierte elektronische Klanglandschaften, die Pop, Avantgarde und subtilen Groove miteinander verweben.

• Nina Savary, französische Songwriterin, Performerin und Schauspielerin, bringt ihre poetisch-verspielte Bühnenpräsenz ein und schlägt Brücken zwischen Chanson, experimenteller Musik und Performance-Kunst.

• Das Münchner Trio Su Yono (Trikont) verknüpft melancholische Melodien mit psychedlic folk und hypnotischen Rhythmen.“

https://trikont.de/category/artists/su-yono/



ENDLICH WIEDER ADIR JAN

mit seinem Cosmopolitan Kurdesque-Sound und natürlich auf Trikont: „Yasmina ist die erste Single der neuen Platte AL MAST von Adir Jan, die am 21.11.2025 erscheint, fünf Jahre nach seinem viel besprochenen und gefeierten Album LEYLA“:

https://trikont.de/artists/adir-jan/adir-jan-al-mast/adir-jan-yasmina/



INS ENDLOSE BLAU

ist der Titel des neuen Albums von Alexander Moeckl und natürlich eine Anspielung auf die Blues-Stimmung, die mit Bluegrass und CountryBlues verbunden ist: großartige Gitarren-Duo-Instrumentals (mit Partner Gregor Beck) von klarer ungebrochener Schönheit, zeitlos. Der Track „Die Sonnenseite von John Fahey“ als Hinweis: wir sind im Genre American Primitive Guitar. Fingerpicking auf klassischen und Bluegrass-Wurzeln. Im Fall von Moeckl/Beck allerdings ohne die experimentellen Ausflüge, die sich Primitive-Hero Fahey (1939-2001) auch geleistet hat (mit dem Verweis, dass Karl Bruckmaier zwei Bücher mit Fahey-Stories herausgegeben hat). 

Die Spezialisten vom Skug-Musikmagazin machen für „Ins endlose Blau“ ganz zurecht ein ganz großes Fass auf und stellen das Album neben die legendären Duo-Platten von Kolbe/Illenberger und Towner/Abercrombie, damit es „in die Gehörgänge einer Hörerschaft findet, die detaillierte Gitarrenmusik zu schätzen weiß“. – „Das ist aber nichts zum Ausflippen“, sagte mein Freund Moeckl zu mir bei der Übergabe, „am besten, du setzt dich ruhig in einen Sessel.“ Hallo, bin ich vielleicht einer, der für absolute Schönheit nichts übrig hat?!

Er machte die Bemerkung, weil er eben auch ganz anders kann als schön akustisch: als Gitarrist der äußerst heftigen Psychorocker The Voodoophonics (mit Howlin´ Max Messer) oder bei The Standals („Voodoo Folk“ mit Rockbilly Steve Train), die übrigens alle mit Off Label Records verbunden sind. Eine Vielseitigkeit, die hinter Alexander Moeckl dann doch wieder sozusagen voodoomäßig John Fahey auftauchen lässt, zumal er sich außerdem ebenfalls, wenn´s passt und sein muss, als Veranstalter betätigt, damals mit Konzerten, als er noch einen Buchladen hatte, und demnächst, wenn er in der Augsburger Wirtschaft Kappeneck (dessen Wirt Sandro mit seiner Band San Antonio Kid ebenfalls bei Off Label ist) am 21.10. ein Konzert mit dem US-Primitive-Gitarristen Joseph Allred veranstaltet (zusammen mit Thomas P. von Randstock, wo einige seiner Solo-Platten erschienen sind). (Übrigens wären hier mehr Verweise möglich… ja, manchmal hat man den Eindruck, dass Augsburg ´ne ganz interessante Stadt ist…)

Moeckl/Beck: Ins endlose Blau. Vinyl/CD/Download

https://alexandermoeckl.bandcamp.com/  -oder: email hidden; JavaScript is required



NILS KOPPRUCH (29)

Der Singer-Songwriter und Maler und mein Freund starb am 10. Oktober 2012 völlig unerwartet wenige Tage vor seinem 47. Geburtstag – sein Werk lebt weiter.

Damals an dem Tag wollte ich morgens grade aus der Tür gehen, um zum Bahnhof zu gehen, um unsere Tochter in München zu besuchen, als ihr Anruf kam, und ich dachte, es wäre ihr was dazwischen gekommen, aber uns allen war was dazwischen gekommen, Nils ist gestorben, sagte sie, das habe sie grade von einem Musikerfreund erfahren, aber ich konnte es nicht glauben, aber dann hatte ich auch schon eine Mail mit der Nachricht, und dann konnte ich nicht mehr rausgehen, stand mit Mantel und Mütze so da, und es kommt mir manchmal so vor, als würde ich immer noch so dastehen und nicht rauskönnen und  kanns immer noch nicht glauben, wenn ich immer mal wieder an ihn denken muss, das kann doch nicht wahr sein, ich wache jetzt auf und habe mal wieder irgendeinen verdammten Unsinn geträumt, seit dreizehn Jahren dieser verdammte Unsinn.

* * *

Nils Koppruch veröffentlichte mit seiner Band Fink von 1997-2005 sieben Alben, danach drei Solo-Alben, ehe er mit Gisbert zu Knyphausen die Band Kid Kopphausen gründete, deren Album „I“ im August 2012 erschien. Koppruch starb wenige Wochen nach der ersten und sehr erfolgreichen Tournee. 2014 erschien bei Trocadero eine Werkausgabe inklusive der Doppel-CD „A Tribute to Nils Koppruch + Fink“ mit Einspielungen von Fehlfarben, Bernadette La Hengst, Olli Schulz, Kettcar u.v.a. Im September 2022 ebenfalls bei Rüdiger Ladwigs Trocadero Records: Alle Fink-Alben auf Vinyl anlässlich des 10. Todestags von Nils und des 25-jährigen Jubiläums der Band.