Unterhaltung

WANN HAST DU ZULETZT GELACHT?

Erst heute morgen habe ich wieder einmal lachen müssen. Meine Mama hat gestern gesagt, ich soll doch mehr lachen, aber dann habe ich zu ihr gesagt, aber das kann man doch nicht einschalten, das geht doch nicht wie das Licht mit dem Lichtschalter. Aber da hat sie vielleicht geschaut. Aber eingefallen ist ihr dann auch nichts mehr. Aber dann habe ich schon heute morgen doch lachen müssen. Aber nicht damit sie etwas zum Lachen hat und obwohl keine Sonne im Fenster. Aber das macht mir nichts. Also es war ein Foto, warum ich lachen musste: Ein Mann mit einem Helm auf dem Kopf steht an einem dicken Baum und in den Händen hält er eine Motorsäge und mit der Motorsäge hat er schon einige Zentimeter in den Baum hineingesägt und unten auf dem Foto steht: IN DER NATUR ZUHAUSE. SEIT 1926. 100 JAHRE STIHL. Und da habe ich dann sauber lachen müssen. Aber nicht, weil ich etwas gegen STIHL habe, wie man jetzt vielleicht denken könnte, wir haben nämlich selber genug STIHL, zwei und eine, die aber gerade kaputt ist. Ich weiß nicht, was fehlt, aber sie geht nicht. Ich wollte jetzt das Foto hinkleben, aber das geht auch nicht. Die Mama sagt, weil ich zu blöd bin, aber das stimmt nicht. Aber trotzdem hat der Tag schon einmal lustig angefangen. Obwohl es draußen schon wieder so schneit, dass es der Sau graust. Aber ich bin ja keine Sau und es macht mir nichts aus. Aber ich wünsche mir trotzdem eine STIHL gegen schlechtes Wetter und Hochwasser. Das sollte doch gehen, denn es geht doch sonst auch immer alles Mögliche.



SPITZENSATZ (107)

 „Wenn man in Deutschland nicht trinkt, wird man behandelt

wie ein Aussätziger.

Da kommt man noch hinter dem, der im Laden

mit einem Fahrradhelm rumläuft!“

(„RTL-Landwirt“ Patrick Romer, zitiert nach Marie von den Benken, FAZ, 25.1. Gedichtform von mir, Readymade ist das neue Creative Writing!)



DASS BAYERN IMMER AN ALLEM

schuld sein soll, ist nur noch zum Kotzen, und wer sowas behauptet, hat dann eben in unserem Land auch nichts verloren…

„Deutschland ohne Bayern wäre restlos pleite und hilflos“

(Markus Söder, SZ 14.12.)



THE BOOTLEG HISTORY

Augsburg: Zwei Abende Ausstellung und Programm zur Geschichte des Musikclubs Bootleg. Der damals in der Punkrock/Underground-Rock´n´Roll-Bundesliga spielte und vom maßgeblichen Magazin Spex als Nr.1-Club des Südens ausgezeichnet wurde. Die Geschichte war kurz, aber heftig: Eröffnet im Dezember 87, wurde das Bootleg schon im Mai 89 nach den intensiven Bemühungen von den gestörten Anwohnertruppen abgeschlossen. Nachdem sie über 100 Konzerte überlebt hatten, von Pussy Galore mit Jon Spencer, die angeblich den Lautstärkerekord aufstellten, über Screaming Trees bis Mo Tucker Band. Komplett nachzusehen auf den ausgestellten Plakaten, Flyern, Fotos und Live-Mitschnitten.

Bootleg: hat auch in mein Leben massiv eingegriffen. Wir kamen aus München zu einigen Konzerten, weil dort nichts ähnlich Gutes geboten war, und dann wurde ich zu einer Lesung aus meinem ersten Buch eingeladen, great, und wir lernten gute Leute kennen, und als wir bald darauf von den Münchner Mietpreisen endgültig die Nase voll hatten, zogen wir also um nach Augsburg, und Bootleg-Betreiber Peter Bommas, außerdem Herausgeber des Magazins Trash, wurde auch noch Verleger einiger meiner Bücher. Womit eine lange und vielverzweigte Freundschaftsgeschichte nur angedeutet ist…

Zusatzprogramm in der Transformatorenhalle 117 der Hutfabrik Lembert jeweils ab 19 Uhr:

12.12. Im Gespräch Peter Bommas und Pulle (Bootleg-Betreiber), Roderich Fabian (ex-BR-Zündfunk), Künstlerinnen Marie und Peter Lochmüller, Dolf Hermannstädter (Trust-Magazin), Bernd Spring (Isidor-Fanzine) + ein originalgetreues DJ-Set von Cpt. James T Maschek

13.12. Konzert mit denen, die schon damals dabei waren: The Creeping Candies & The Truffauts + DJ Thomas Patsch



SPITZENSATZ (106)

„Alle rennen ja zurzeit zu den großen Konzerten und versuchen auf ihren 300-Euro-Plätzen mit ihren 1200-Euro-Telefonen aus 100 Metern Entfernung ein halbwegs scharfes Bild für Instagram hinzukriegen.“ (Maik Brüggemeyer, f-book 18.11.)

Das korrespondiert, finde ich, mit dem super Marketingtipp einer Autorin für die schreibende Klasse: „Liebe alle! Über eine positive Reension auf Amazon mit füenf Sternen und drei Wörtern würd ich mich freuen; auch wenn das Buch noch nicht gelesen wurde.“ (Woraf dann üebrings kein Smeilay gesetzt wahr). „Drei Wörtern“, hm, könnte ein Intelligenztest sein.



LUSTIG ODER NICHT?

„Zoff in der AfD Harburg: Ein Bezirksabgeordneter hat Anzeige gegen einen Parteifreund erstattet. Der Vorwurf: Er sei als „Untermensch“ bezeichnet worden.“

https://www.mopo.de/hamburg/politik/untermensch-afd-abgeordneter-zeigt-parteifreund-an/?



EGAL WO ER HINGEHT

Wie alle nach leicht verständlichen Witzen Süchtigen können wir, wie Millionen anderer Kabarettist*innen, diese Nachricht heute nicht ignorieren, wobei wir jedoch mit der Verbindung Söder/Sodbrennen nicht noch mehr von dieser angeblich kostbaren Zeit verschwenden:

„CSU sichert sich Marke „Söder Kebab“ … hat den Schriftzug samt Logo markenrechtlich schützen lassen … Im vergangenen Jahr verloste Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein gemeinsames Döner-Essen unter seinen Instagram-Fans. Dazu passend gab es das Logo mit dem Schriftzug „Söder Kebab“ … Dieses Design hat sich die CSU beim Patent- und Markenamt schützen lassen und nutzt es beispielsweise für Aufdrucke auf T-Shirts und Hoodies … Es habe sich einfach so entwickelt, dass „egal, wo ich hingehe – auf Flughäfen, in der Welt, im Urlaub – treffe ich Leute mit dem T-Shirt. Deswegen wird das halt so ein bisschen geschützt“, so Söder“ (, der offensichtlich nicht daran denkt, dass ein bisschen geschützt zu wenig geschützt sein könnte).

Auch auf die Warnung eines Politik-Strategie-Experten namens Herr Steffan sollte er vielleicht besser mal hören: „Ganz risikofrei sei Söders Online-Strategie nicht: „Das Auftreten von Markus Söder droht dann ins Lächerliche oder ins Unseriöse zu kippen, wenn sich die Wählerinnen und Wähler davon abwenden“. Erst dann, nicht schon vorher? Aber wir sind ja keine Experten auf Flughäfen, in der Welt, im Urlaub.

https://www.br.de/nachrichten/bayern/csu-sichert-sich-marke-soeder-kebab-was-soll-das,Uv3bPK2



SPITZENSATZ (105)

„Nur Kunst schafft Ordnung im Chaos der Wirklichkeit.“

(Überschrift zu einer Buchrezension, FAZ 1.8.)



SPITZENSATZ (104)

„Schade, dass die Unterzeichner des jüngsten offenen Promi-Briefes darauf verzichtet haben, zu drohen, dass, wenn ihrer „dringlichen Bitte“ nicht entsprochen wird, sie zukünftig darauf verzichten, Kultur zu schaffen und dem dann gegebenenfalls auch Taten folgen zu lassen.“ (f-book, 1.8., Ralf Poppe)

(die berechtigte Frage an diese Promis, Wo wart ihr nach dem 7. Oktober?, wurde in einem anderen Beitrag gestellt… ich weiß, wo die meisten von ihnen waren, sie waren voll auf die Kamera konzentriert, damit sie gut rüberkommen…)



GRAPHIC RECORDINGS

nennt der phantastische Comic-Zeichner Michael Jordan eine Abteilung seiner Arbeiten und die werden zur Zeit im Augsburger Textilmuseum ausgestellt. Thema hier: er begleitet wie ein Gerichtsreporter „die Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement seit nunmehr drei Jahren in Form von graphic recording. Als teilnehmender Beobachter skizziert er vor Ort die Beteiligten und die Szenerie und gibt dadurch… besondere Einblicke … in die internen Diskussionen, die wesentlicher Bestandteil des Formats sind. Drei Tage begleitet er die anwesenden Künstler*innen sowie die Studierenden des Studiengangs Ethik der Textkulturen, die hinter geschlossenen Türen über den Zusammenhang von politischer Teilhabe und ästhetischer Form sprechen…“

Augsburger Gespräche – graphic recordings von Michael Jordan

Michael Jordan ist außerdem einer der Initiatoren der Aktion „Wie geht es dir?“, zu der jetzt dieser Comics-Band erschienen ist: „Wie geht es dir? – eine einfache Frage, doch unter dem Eindruck des Leids der Menschen infolge des Überfalls der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der Angriffe des israelischen Militärs im Gazastreifen herrscht auch bei uns Sprachlosigkeit und eine tiefe gesellschaftliche Spaltung.

Eine Gruppe von Comic-Künstler*innen schloss sich zusammen, um das Projekt Wie geht es dir? ins Leben zu rufen. Seitdem sprachen 48 Zeichner*innen mit 60 Menschen, die von Antisemitismus, Hass und Rassismus betroffen sind oder sich mit menschenfeindlichen Ideologien auseinandersetzen. Darunter sind Prominente, aber auch private Bekanntschaften der Autor*innen.“

https://www.avant-verlag.de/comics/wie-geht-es-dir/

Michael Jordan