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SPITZENSATZ (108)

„Ein Buch, das auf Tiktok gehypt wird, muss noch lang nicht gut sein.“

(SZ, 25.3., Christiane Lutz)



DAS BAJSZEL

ist eine Wirtschaft in Berlin, die von Antisemiten, die keine sein wollen, häufig bedroht und nicht nur mit Worten angegriffen wird. Wie auch von solchen, die das sehr wohl sein wollen. Weil dort Veranstaltungen wie diese Buchpräsentation am 26.3. um 19h30 stattfinden:

„Vom Antisemitismus, der keiner sein will“, von und mit Richard Schuberth. Erschienen im Verlag, der von Antisemiten, die keine sein wollen, besonders gehasst wird: Edition Tiamat.

„Ebenso polemisch wie analytisch ergründet Richard Schuberth die Metamorphosen des neuen Antisemitismus – als einen weiteren, zeitgeistig adaptierten Versuch, individuelle Realitätsverluste und gesellschaftliche Widersprüche zu einer wahnhaften Meta-Erzählung zu harmonisieren.“

zB S.34: »Und doch sieht es so aus, als hätte der Antisemitismus – learning by doing – seine Gestalt gewechselt und wäre von den Rechten zu den Gerechten übergelaufen, wo er, ständig das Lachen über den gelungenen Coup unterdrückend, die Palästinaflagge schwenkt.« 

https://edition-tiamat.de/books/vom-antisemitismus-der-keiner-sein-will

Vorarbeiten von Richard Schuberth zu seinem großartigen Buch bei jungleworld, zB:

https://jungle.world/artikel/2025/43/wahn-wirklichkeit-vom-antisemitismus-der-keiner-sein-will

»Richard Schuberth, der sachkundig und sprachmächtig wie kaum ein anderer seit Jahren über Israel und Palästina schreibt und gegen Falschmeldungen aller politischen Bastionen anschreibt …« (Karl-Markus Gauß)

Außerdem der soeben ausgezeichnete Verleger Klaus Bittermann: »(…) der Empfänger des Hauptpreises der Kurt-Wolff-Stiftung (…), den Mara Delius zuvor für den über Jahrzehnte gehaltenen Kurs seiner Edition Tiamat gegen den Mainstream und den vorherrschenden Literaturgeschmack gewürdigt hatte, gab seiner Rede dann allerdings noch einen anderen Dreh, indem er dafür plädierte, Weimer doch seinem Schicksal zu überlassen und sich übergeordneten Themen zuzuwenden (…)

https://www.youtube.com/watch?v=KypJ4GyAM9M



GEGEN AUTORITÄRE LINKE

Ein Essay vom geschätzten Nicholas Potter, dessen Buch „Die neue autoritäre Linke“   am 20. März 2026 bei dtv erscheint:

„(…) Diese Gruppen stehen sinnbildlich für das, was ich als die neue autoritäre Linke bezeichne. Und die Positionierungen dieser an sich sektenhaften K-Gruppen strahlen aus – in Universitäten, in die Kulturszene und in die sozialen Medien. Die Verherrlichung islamistischer Terroranschläge wird in diesem Milieu normalisiert, und zwar weltweit. Es wird zur „Globalisierung der Intifada“ aufgerufen, während von Belgien bis Bondi Beach Anschläge gegen Jüdinnen und Juden verübt werden.“

https://taz.de/Genossen-von-Mullahs-und-Moerdern/!6163550/



LINKS SO KAPUTT

dass man dachte, mehr geht nicht mehr, aber es geht immer noch kaputter: Für die Linkspartei „ist, wenn man den Beschluss ihres niedersächsischen Landesparteitags vom Wochenende und zahlreiche Wortmeldungen auch aus Berlin und anderen Landesverbänden und der Bundesspitze zugrunde legt, klar, wer die Feinde sind. Nicht das Mullah-Regime, das seit fast einem halben Jahrhundert das iranische Volk unterdrückt, foltert und ermordet, besonders die Frauen, das Terrorkriege in die ganze Region exportiert hat und nach der islamischen Atombombe griff. Sondern die USA und das „zionistische Gebilde“, wie die Mullahs ihren Todfeind seit jeher nennen. Das es auch nach dem Willen vieler vor allem junger Linken-Neumitglieder als „Apartheid“- und „Völkermord“-Staat“ zu beseitigen gilt. Da die Parteispitze dem nicht widersprach, kann man die Linke nun getrost die erste offen antisemitische deutsche Partei seit der NSdAP nennen …“

https://www.ruhrbarone.de/nahost-und-der-nahtod-der-linken-2/256530/

Man könnte sich sagen, dass es nicht groß interessiert, was ein niedersächsischer Landesparteitag der Linkspartei für links hält, aber das ginge an der Sache dann doch vorbei…



LUDWIG LUGMEIER REST IN PEACE

Mein Freund, der Schriftsteller Ludwig Lugmeier ist letzten Montag, am 9.3. im Alter von 76 Jahren in Berlin verstorben. Mir fehlen fast alle Worte, sie stehen in seinen Büchern Wo der Hund begraben ist / Der Mann der aus dem Fenster sprang / Das Leben des Käpt´n Bilbo / So der Herr mit Zylinder, und in den kleinen Gedichtbänden Flickstellen und i (bayrisch für Ich). Seine literarische Laufbahn war unvermeidlich an seine kriminelle gekettet, er nahm´s gelassen, hat nie damit angegeben. Er war froh, als er 77 in den Bau musste, denn damit habe er endlich in Ruhe schreiben können, wie er es schon als Jugendlicher vorgehabt hätte. In Bayern wollte er dann nie wieder begraben sein. Eines nachts kletterten wir über die Mauer in einen Friedhof, um ein Grab aufzusuchen, und dann konnten wir nicht glauben, dass wir es zum Teufel nicht schafften, vor Tagesanbruch wieder rauszukommen.

* * * * *

16.3. Der Nachruf vom Verbrecher Verlag, in dem Ludwig Lugmeier 2017 den Faktenroman „Die Leben des Käpt’n Bilbo“ veröffentlichte:

„Leider müssen wir mitteilen, dass der große Schriftsteller Ludwig Lugmeier in der vergangenen Woche gestorben ist.

Ludwig Lugmeier, geboren 1949 in Kochel am See, lebte in Berlin als freier Autor. Schon als Junge war er, unter anderem angeregt durch die Abenteuergeschichten von Jack Bilbo, an Außenseitern und an der Revolte interessiert und schlug sich mit Gelegenheitsjobs etwa als Maurer, Schiffer oder Bärendompteur im Zirkus durch.

Fasziniert vom Leben abseits üblicher Normen wurde er kriminell und erstmals im Alter von siebzehn Jahren in Jugendhaft genommen. Nach der Entlassung versuchte er die Welt zu bereisen, kam aber immer wieder nach Deutschland zurück, wo er schließlich Geldtransporter überfiel. 1974 wurde er in Mexiko verhaftet, nach Deutschland ausgeliefert – und weltberühmt. Im Februar 1976 gelang es ihm während seiner Gerichtsverhandlung durch ein offenes Fenster des Gerichts zu springen und zu fliehen. Er wurde erst Monate später in Reykjavík verhaftet.
In seiner Haftzeit von 1977 bis 1989 begann er ernsthaft zu schreiben, der Erzählband „Schattenränder“ erschien 1987, der Gedichtband „Flickstellen“ 1988 und der vielgelobte Roman „Wo der Hund begraben ist“ 1993. 1998 folgt mit „i“ ein weiterer Gedichtband, 2005 der autobiografische Roman „Der Mann, der aus dem Fenster sprang“, 2017 der Faktenroman „Die Leben des Käpt’n Bilbo“, für den er viele Jahre recherchierte, 2022 schließlich der Erzählungsband „So der Herr mit Zylinder“. Daneben publizierte er unzählige weitere Gedichte und Erzählungen in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften, außerdem veröffentlichte er zahlreiche Rundfunk-Features, Reportagen und Essays.
Lugmeier war dank seiner wunderbar tiefen Stimme auch als Märchenerzähler tätig, seine Liebe zu Stummfilmen trieb ihn dazu, regelmäßig Stummfilmabende zu veranstalten, bei denen er äußert kenntnisreich in die Filmgeschichte einführte.
Seine Kunst inspirierte viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller, so war etwa das Hauptwerk Christian Geisslers, „kamallatta“, nach einem Gedicht Lugmeiers benannt.
Ludwig Lugmeier war ein ungewöhnlich herzlicher Mensch, es war eine Freude mit ihm zu arbeiten. Er starb am 9. März in Berlin.
Wir wünschen seinen Angehörigen viel Kraft!“


DAS KOMMT ALSO RAUS

wenn sich dieser Kulturstaatsminister vornimmt, auch mal etwas mehr zu arbeiten, warum kümmert er sich denn nicht um den Tegernsee, wo er herkommt – und denkt mal etwas über das Statement der Kurt Wolff Stiftung nach, wenn´s ihn nicht überfordert:

„Der Vorstand der Kurt Wolff Stiftung ist höchst irritiert und beunruhigt über die Revidierung der Jury-Entscheidung zum diesjährigen Buchhandlungspreis.

Dass der Kulturstaatsminister sich in drei Fällen über die Entscheidung der von seiner Behörde eingesetzten Jury aus erwiesenen Branchenkennern hinwegsetzt, ist eine Einflussnahme, die Grundprinzipien des Preises konterkariert. Es könnte sogar als politische Einflussnahme wahrgenommen werden.

Der Ansatz, das umstrittene Haber-Verfahren zur Überprüfung der Preisträger anzuwenden, kommt einem Generalverdacht gegen alle Akteure der deutschen Buchbranche gleich und ist vollkommen unangemessen.

Der seit 2015 jährlich vergebene Buchhandlungspreis wurde maßgeblich von der Kurt Wolff Stiftung initiiert, die auch als dessen Partner auftritt. Mit dem Buchhandlungspreis soll ein besonderes buchhändlerisches Engagement für eine vielfältige Buch- und Literaturlandschaft in Deutschland gewürdigt werden.

Die drei betroffenen Buchhandlungen Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin), sind seit vielen Jahrzehnten mit ihrem Engagement und ihrem Sortiment ein fester Bestandteil des deutschen Buchhandels und jeweils bedeutende Ankerpunkte der lokalen Kulturvermittlung.

Gerade diese Buchhandlungen sorgen mit ihrem Angebot abseits des Mainstreams exemplarisch für die Sichtbarkeit von Vielfalt. Sie setzen sich mit ihrer Arbeit für die in einer Demokratie grundlegenden Prinzipien Meinungsfreiheit, Freiheit von Kunst und Literatur und für die Möglichkeit der Meinungsbildung ein und haben die Auszeichnung daher mehr als verdient.

Sie ihnen aufgrund von Bedenken, die nicht einmal mitgeteilt werden, vorzuenthalten, ist mehr als bedenklich – auch in Hinblick auf kommende Kulturpreisverleihungen.

Leipzig, 04.03.2026″



UND DIE FORTSETZUNG

(also noch „ein Wort“ zum nächsten Wahlsonntag in Bayern) der Liste mit AfD-Leuten, die gewählt werden können, obwohl sie – man kann eigentlich nicht glauben, dass es sowas gibt – womöglich sogar der AfD zu rechts sind. „Womöglich“ heißt: „Wer früher in extremistischen Gruppen engagiert war, darf nur dann in die AfD aufgenommen werden, wenn der jeweilige Landesvorstand mit Zwei-Drittel-Mehrheit eine Ausnahme beschließt. So steht es in der AfD-Satzung.“

Rückblick: „Recherchen des BR hatten jüngst zahlreiche Beispiele zutage gefördert, bei denen die Bayern-AfD die eigene Satzung offenbar ignoriert hat.“

Fortsetzung: „Unterdessen hat der BR zusammen mit dem Fachjournalisten Robert Andreasch auf den AfD-Kommunalwahllisten weitere Kandidaten ausfindig gemacht, die teils seit Jahrzehnten in der rechtsextremen Szene aktiv sind.“:

https://www.br.de/nachrichten/bayern/kommunalwahl-afd-kandidaten-auch-aus-der-neonazi-szene,VCspFox



DAS WORT ZUM NÄCHSTEN SONNTAG

(auch bekannt als Wahlsonntag) kommt von BR-Reporter Thies Marsen (und das Gericht, das kürzlich der AfD sozusagen den Freifahrtschein ausgestellt hat, hat das nicht mitgekommen bzw. will sowas nicht mitbekommen):

„Bei den bayerischen Kommunalwahlen am 8. März tritt die AfD mit rund 5.500 Kandidaten an. Manche von ihnen haben nach BR-Recherchen enge Beziehungen zu rechtsextremen Gruppen – auch zu solchen, die auf der „Unvereinbarkeitsliste“ der AfD stehen.“

https://www.br.de/nachrichten/bayern/afd-im-wahlkampf-radikales-programm-radikale-kandidaten



ARTISTS AGAINST ANTISEMITISM BERLIN

Die Berliner Verbündeten sagen es so gut wie ausführlich im „Statement from the Artists Against Antisemitism Berlin for the Berlinale 2026“:

„The speech given by Berlinale award winner Abdallah Alkhatib on Saturday, February 21, 2026, demonstrates once again how far the discourse has shifted towards the acceptance of anti-Semitism. It is a mix of the conspiracy myths and distorted facts that have been relentlessly bombarding us for months now.
Alkhatib presents it as a courageous breach of taboo that he shouts „Free Palestine“ from the stage and calls the German government a partner in Israel’s alleged genocide in Gaza – as if this expression of opinion hadn’t been commonplace for over two years. As if demonstrations under this banner weren’t taking place seemingly every hour. As if any jerk hadn’t been wearing a symbol of watermelon on his jacket for months. As if the topic weren’t a perennial issue in the media, the art world, and at universities. And at the Berlinale. The Berlinale, among others, has quite obviously given Alkhatib and his film very prominent attention and even awarded it a prize. A work that doesn’t even shy away from anti-Israel rhetoric in the end credits – it claims a „genocide“ against Palestinians „since 1948.“ The fact that the festival even shows this film, and that its moderator spread the „genocide“ lie at the premiere screening (as did, of course, the film crew), is already a scandal. And it also shows how much of a willingness already existed in the selection of the „Perspectives“ series to contribute to the normalization of international hate speech against Israel. The award is therefore no longer surprising.
And yet, the award winner presents himself as a martyr who only came to spite the festival and then publicly pontificates about a future: „And one day, we will have a great film festival in the middle of Gaza.“ As if it were Israel, and not Hamas, which has always suppressed artistic freedom in Gaza, and which has closed all theaters and cinemas in the densely populated territory and strictly censors all forms of art. In fact, Alkhatib doesn’t mention Hamas or any other terrorist group even once. He dreams of his alternative vision: „Our festival will stand with the people living under siege, under occupation, and under dictatorships around the world.“ A compelling logic: from the liberation of Palestine to the liberation of the world. Art seems to play a secondary role in this world: „We will speak about resistance before art, about freedom before duty, and about a human being before culture.“
But anyone who has watched the anti-Israel demonstrations since October 7, 2023, knows who or what is hiding behind the code name „Resistance“: Hamas. And so it is no surprise that yet another supposed peace activist remains silent about the mass murders on the streets of Iran. After all, the Islamist regime in Tehran is the biggest financial and ideological supporter of Hamas’s terror.
In conclusion, the filmmaker prophesies with kitschy pathos: „The long-awaited day is coming. And when people ask you what happened, tell them, ‚Palestine remembers.‘ We will remember everyone who stood with us. And we will remember everyone who stood against us. Against our right to live with dignity, or who (…) choose to be silent.“ Is this the promise of a filmmaker concerned with the freedom of his „people“ — to remember those who stood against them or who simply dared to remain silent? Alkhatib issues an open threat to all those who do not support the so-called Palestinian cause. This rejection of any possibility of dialogue, this division of the world into a binary friend-enemy dichotomy, contains essential characteristics of antisemitism. Moreover, it forms the direct basis for making free art impossible. The prize winner isn’t bothered by this; after all, „resistance before art“ is the motto. In an apocalyptic twist, he concludes by linking the fate of Palestine with the world’s final battle: „Free Palestine, from now until the end of the world.“
The vast majority of those present seemed unbothered by the apocalyptic kitsch. Applause. Only Federal Environment Minister Carsten Schneider left the hall in protest.
Alkhatib reduces a complex, conflict-ridden issue to simplistic slogans and poor revolutionary poetry, because he wants to convince his audience that Israel alone is to blame for the Palestinians‘ inability to live in dignity. But he is not concerned with the fate of the people. His aim is the end of the only Jewish state. We witnessed how this is supposed to happen in practice on October 7, 2023, and in the days that followed. The Nazis demonstrated what the consequences would be.
Abdallah Alkhatib’s speech is no longer the problem. His words reflect the current international level of hatred towards Israel far too well. The real scandal is that more people in the audience didn’t follow the example of Federal Environment Minister Carsten Schneider and leave the hall. Alongside the open letter from the 80 artists and the numerous one-sided expressions of solidarity against Israel by Geneviève Dulude-de Celles and Emin Alper, Alkhatib’s speech was merely the icing on the cake. And everyone got their piece of the pie.
We hope that this is not the case.
We hope for more dissent.
Thanks to the person who shouted „Free Palestine from Hamas“ after the speech and received applause for it.“


KLARE SACHE

Nur herausragend intelligente Menschen können nicht ganz unkomplizierte politische Verbindungen in einem Satz klar rüberbringen: „Gestern DRESDEN – heute GAZA Völkermörder zur Rechenschaft ziehen!“

Steht auf dem Transparent, das drei tapfere Männer von der NPD-Sektion Kronach vor einigen Tagen durch Dresden trugen. (Ein Foto, zu dem sich bisher, das überrascht nicht, keine Künstliche Intelligenz bekannt hat).