WAS SEIN MUSS
Von Franz Dobler | 3. Juni 2024 | Kategorie: Produktion | Kommentare deaktiviert für WAS SEIN MUSSEINE AXT MUSS
SCHARF GENUG SEIN
UM DIE SCHLECHTE LITERATUR
IN UNS ABZUHAUEN.
EINE AXT MUSS
SCHARF GENUG SEIN
UM DIE SCHLECHTE LITERATUR
IN UNS ABZUHAUEN.
„Ein Sohn von zwei Müttern“ (Klett-Cotta-Tropen-Verlag)
# „ist sehr spannend zu lesen. Sehr gut geschrieben.“ (Elke Heidenreich, Spiegel online)
# „ist eine hochinteressante Auseinandersetzung mit den großen Fragen des Lebens“ (Volker Isfort, Münchner Abendzeitung)
# im „taz meets Buchmesse Leipzig“-Gespräch mit Ulrich Gutmair (dessen Buch „Wir sind die Türken von morgen“ ich selbst gern geschrieben hätte (Tropen-Verlag)):
Warum war ich denn kein Nirvana-Kurt Cobain-Fan? Weil ich von den Pixies gefangen war, als Nirvana rauskam und ich es deshalb nicht mitbekam, aber hallo, Bleach war 1989 kein großes Ding. Und als die Band so groß war, dass ich sie mitbekam, war ich von Jon Spencer Blues Explosion gefangen … Vielleicht sind das aber auch nur Entschuldigungen dafür, dass ich mit 30 schon zu alt für Cobain war, das will ich nicht ausschließen … Genauer ausführen? Vielleicht später mal. Obwohl?
in der SWR Bestenliste April auf Nr. 6 – (nach Nr. 8 im März).
„Ein Sohn von zwei Müttern“ (Klett-Cotta-Tropen Verlag): „Der Mann ist Schriftsteller, und diese Geschichte hatte er nie aufschreiben wollen, um sich nicht einzureihen in den Chor der autobiografischen Aufarbeitungen. Aber es muss eben doch raus: Die Erinnerung an seine Adoptiveltern, an das Aufwachsen auf dem bayerischen Land in den 1960er-Jahren, an die Hinwendung zur Musik, zum Jazz. Und an das pulsierende München der 1980er-Jahre, das ein glamouröses Freiheitsversprechen war. Eine Sozialisation zwischen Provinz und weiter Welt. Und in der Ambivalenz der Herkunft.“
https://www.swr.de/swr2/literatur/bestenliste/index.html
behaupte ich in meinem Beitrag für die taz zum Welttag der Poesie in einem seltenen Anfall von Optimismus, obwohl ich natürlich auch die kritische Sicht „Lyrik isst schwürick“ des Dichters Wiglaf Droste* zitiere und außerdem die im Herbst 2023 veröffentlichte Analyse des Dichters Jan Kuhlbrodt**: „die lyrikszene ist so politisch wie streuselkuchen. man spricht ständig von der marginalisierung der lyrik und heult sich gegenseitig ins taschentuch, aber zu den geschehnissen auf der buchmesse (rechte verlage, absagen und dergleichen) vernimmt man aus dieser ecke kein wort. (das ist etwas pauschal, aber es stößt mir schon auf)“.
Das ganze Bekenntnis über „Angst und Schrecken in der Poesiezone“:
https://taz.de/Rettet-die-Lyrik/!5996483/
* Die Biografie von Christof Meueler „Die Welt in Schach halten – Das Leben des Wiglaf Droste“ erscheint am 8.4. bei Edition Tiamat, wo auch die meisten Droste-Werke verlegt wurden.
** Letzten Herbst erschien Jan Kuhlbrodts Roman „Krüppelpassion“ im Gans Verlag (wo soeben mit „Vor der Schrift“ eine Neuausgabe seines Streifzugs durch ein Karl-Marx-Stadt erschienen ist, dessen Umbenennung in Chemnitz noch nicht in Sicht war) und hätte mehr Preise als den Alfred-Döblin-Preis bekommen müssen!
„Ein Sohn von zwei Müttern“ bekommt in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter dem schönen Titel „Mama mia“ diesen Schlüsselsatz: „Jetzt hat er dieses Buch aber doch geschrieben. Zum Glück.“ (Andreas Lesti)
Weitere Stimmen zu „Ein Sohn von zwei Müttern“ (Klett-Cotta-Tropen Verlag):
BR24: „reflektiert präzise und erzählt packend … ein ebenso kluges wie anrührendes Buch über seine Adoptionserfahrungen.“ (Knut Cordsen)
Augsburger Allgemeine: „Eine großartige Konstruktion aus erzählendem und sachlichem Text, die nie aus dem Fluss gerät, auch, weil oft ein feiner, aber spitzer Humor aufscheint“ (Birgit Müller-Bardorff)
Frankfurter Rundschau: „Wie gut, dass er das Buch zu Ende geschrieben hat. Wie gut, dass er es genau auf diese Weise geschrieben hat, suchend, widerspenstig…“ (Cornelia Geissler)
WDR3/Kultur am Mittag: „angenehm pathosfrei … ein Hieb gegen jene, die Sauerkraut und Sperma zu völkischer Identität verrühren.“ (Udo Feist)
Erfolglos auf der Suche nach einem Berliner Nachtclub namens Venusdiele, der um 1929 existierte und dessen Bar-Pianist eine zeitlang Jean Améry hieß.
Finde nichts, nirgendwo irgendwas. Bis wann gabs die Venusdiele und war sie ein antifaschistisches Nest?
Mal weitersuchen in der Autobiografie „Der Ghetto-Swinger“ des Berliner Bar-Gitarristen Coco Schumann, obwohl der mit fünf zu jung war, um dem Bar-Pianisten Améry 1929 zu begegnen, aber weiß der Henker. Was verbindet Jean Améry mit Coco Schumann? Jazz und dass sie Auschwitz und andere KZ überlebt haben.
Beim Nachforschen in der Schumann-Autobiografie immerhin eine literaturwissenschaftlich bedeutende Bemerkung, die ich offensichtlich, wie konnte das passieren, nicht gespeichert habe: (wahrscheinlich 1940) „Wir trafen uns auch gerne im legendären Groschenkeller in der Kantstraße 126, den einst der Schriftsteller Franz Jung eröffnet hatte.“ Wie bitte?! Keine Bemerkung dazu in den Autobiografien von Franz und Cläre Jung und in Fritz Mieraus Chronik Leben und Schriften des Franz Jung.
„Hier fand sich jeden Abend eine merkwürdige Mischung von Menschen ein … Evelyn Künneke, Helmut Zacharias … die Sänger der Staatsoper, Bierfahrer und Bauarbeiter … Ein junger Mann namens Bully Buhlan saß am Klavier und sang. Wir machten uns eines Abends miteinander bekannt, und schon bald jammten wir zusammen … Bully Buhlan engagierte mich in die Rosendiele, einem weiteren legendären Ort Berliner Jazzfans.“
Hallo!: Venusdiele – Rosendiele! Ich bin ganz nah dran zu behaupten, dass die Venus- eines Tages in Rosendiele umbenannt wurde. Der Rest wird sich auch noch finden – und um den Rest geht es zum Beispiel in „Der Neue Antisemitismus“, Jean Amérys wieder aufgelegte Essays.
JUDITH BUTLER UND ANNIE ERNAUX!
WAS IST DAMIT – DAS BESPRECHEN WIR NACH DER PROBE.
NEIN, SOFORT – DAS THEATER MUSS SICH BRUTAL SCHNELL AUF AKTUALITÄT EINSTELLEN, SONST ISSES NUR NOCH FÜR’N ARSCH.
UND DU GIBST DAS KOMMANDO – DAS KANNSTE VERGESSEN.
HÖR ZU, DANN STIMMSTE MIR SOFORT ZU: BUTLER UND ERNAUX, ABENDESSEN INNEM RESTAURANT GROSSER KLASSE, IHREN INTERNATIONAL HERAUSRAGENDEN POSITIONEN ANGEMESSEN.
UH-HU ICH BIN BEEINDRUCKT, EIN KAMMERSPIEL FÜR VIER FRAUEN, DIE BEIDEN SERVIERERINNEN SIND GEFLÜCHTETE, MIT DENEN SICH DIE BEIDEN TOP-CLASS-LADIES NICHT VERSTÄNDIGEN KÖNNEN, DIE ARMEN, DAS GEFÄLLT IHNEN GAR NICHT.
DU HAST ES ERFASST – HUT AB – ABER ES GIBT ETWAS MEHR ACTION: DIE BEIDEN TOP-DAMEN DISKUTIEREN, WAS SIE NOCH FÜR DIE BDS-KAMPAGNE TUN KÖNNTEN UND DANN GEHT’S LOS: ZWEI SCHICKE HAMAS-KÄMPFER STÜRMEN REIN UND HALTEN DEN INTELLEKTUELLEN HAMAS-FREUNDINNEN IHRE MPS AN DEN KOPF.
KAPIERT – ZUERST FREUEN SICH DIE HAMAS-FREUNDINNEN, ABER SIE KÖNNEN SICH MIT IHREN BEIDEN HELDEN NICHT VERSTÄNDIGEN UND DIE TAPFEREN KÄMPFER ERKENNEN NICHT, DASS DIE LADIES AUF IHRER SEITE SIND.
DU HAST’S ERFASST.
DAS UNGLÜCK NIMMT SEINEN LAUF.
DU HAST’S ERFASST; DETAILS TO COME.
OKAY. ABER ICH WILL KEIN BLUT AUF DER BÜHNE HABEN, KEIN BLUT UND KEINE NACKTEN ÄRSCHE UND SO ZEUG, ICH WILL EIN FRIEDLICHES DISKUSSIONSTHEATER HABEN. KEIN HASS.
DU BIST SO FREUNDLICH, ICH KANNS JA NICHT FASSEN.
FICK DICH, DU HUND. UND SAG NIE WIEDER DU HAST’S ERFASST ZU MIR, DU HURENSOHN.
„Ein Sohn von zwei Müttern“ wurde von der Jury der SWR-Bestenliste auf Nr. 8 gewählt.
Wie üblich ist der Kampf um den Klassenerhalt der härteste: auf dieser Nr. 8 stehen mit 25 Punkten fünf Romane. Dann kommt der Abgrund.
Zuletzt stand ich mit meinem Roman „Aufräumen“ auf der SWR-Bestenliste, im Juni 2008 auf Platz Nr. 3 (und hatte damit immerhin Friederike Mayröcker und Cormac McCarthy abgehängt, das werde ich wohl noch sagen dürfen). In den Jahren danach wechselte ich in die Liga der Kriminalromane, die aufgrund ihrer zweifelhaften Statuten zurecht als Nicht-Literatur eingestuft wird und konnte mich auch mit zwei Deutschen Krimipreisen nicht in die Literatur-Liga zurückschießen, besser gesagt natürlich hocharbeiten.
https://www.swr.de/swr2/literatur/bestenliste/index.html